Dies fragte Oliver Heuler in seinem Kommentar auf den Beitrag "Integral trifft Gewaltfrei".
Das ist die Art von Fragen, die mich als Trainer im Seminar erst Mal ins Schwitzen bringen… Hier habe ich ja das Glück, ein bißchen nachdenken zu können bevor ich den Mund aufmache bzw. in die Tasten tippe. (Ich weiß, manche meinen, das würde auch im Seminar manchmal nicht schaden, aber das ist eine andere Geschichte…).
Spaß beiseite, mein bestes Verständnis zu dieser Frage ist Folgendes:
Die Vision des Centers for Nonviolent Communication (Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation, USA) und damit eine Art Definition von "Gewalt-frei" lautetS "A world where everybodys needs are valued." ("Eine Welt, in der die Bedürfnisse aller zählen.")
(Anmerkung: Dies ist nicht der genaue Wortlaut auf der Homepage des CNVC - dort heißt es noch "a world where all people get their needs met peacefully..." Aus verschiedenen Gesprächen mit langjährigen CNVC-TrainerInnen und mit Marshall Rosenberg wird deutlich, dass sich die Definition in Richtung "everybodys needs are valued" entwickelt hat.)
Aus diesem Verständnis heraus hieße die Definition von Gewalt: "Gewalt(tätig) ist eine Intention/Absicht, die nicht die Bedürfnisse aller anerkennt/wertschätzt."
So oder ähnlich lautet auch die Definition, dich ich im Seminar anbiete. Sie stößt meist auf Zustimmung und scheint vielen TeilnehmerInnen erst mal intuitiv eingängig zu sein. Da ich aber gerne das Motto des genialen Films "American Beauty" >> Look closer << ("Schau genauer hin") auf mein Leben anwende, hier noch ein paar weiterführende Gedanken zum Thema "Was ist Gewalt?" Ich denke es ist wichtig, mindestens zwei Ebenen zu unterscheiden, wenn wir über "Gewalt" sprechen. Eine wichtige, aber nicht die einzige Perspektive ist die subjektive, innere Erfahrung von Gewalt, eine weitere eine subjektive Außensicht auf Gewalt.
Die subjektive innere Erfahrung von Gewalt
Viele Menschen in unseren Seminaren beschreiben Gewalterfahrungen und nur in wenigen Fällen geht es um physische Gewalt (körperlicher Übergriff), sondern meist handelt es sich um das Erleben von psychischer, emotionaler Gewalt. Das damit oft genannte Bedürfnis nach "emotionaler Sicherheit" würde ich gerne etwas genauer betrachten.
Im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation verwende ich "Sicherheit" als Ausdruck eines Bedürfnisses, wenn es um körperliche Sicherheit geht. Wenn eine existenzielle Gefahr droht (jemand mit dem Messer auf mich losgeht), bekomme ich Angst, diese Angst ist natürlich, spontan und drückt dieses Bedürfnis nach Sicherheit aus.
"Sicherheit" ist nicht gleich "Sicherheit"
In 90% der Fälle, in denen "Sicherheit" als Bedürfnis genannt wird, geht es jedoch nicht um diese körperliche Sicherheit, sondern um Zugehörigkeit, Anerkennung etc. Wir unterscheiden in diesem Zusammenhang oft extrinsische und intrinsische Bedürfnisse. Sicherheit im Sinne körperlicher Sicherheit ist ein intrinsisches Bedürfnis, Sicherheit im Sinne psychischer, emotionaler Sicherheit ist extrinsisch.
Diese Unterscheidung beschreibt die Erkenntnis, das wir viele Bedürfnisse erst extrinsisch, d.h. von außen, von den Eltern etc. anerkannt und erfüllt bekommen müssen, bevor diese intrinsisch, also von "innen" heraus erfahren werden können.
Anders ausgedrückt: Menschen, die ein Bedürfnis ausdrücken und ihre Aufmerksamkeit dabei auf einem Verhalten haben, das geändert werden soll, verwechseln und vermischen Bedürfnisse mit Strategien. "Wenn mein Chef mir sagt, was ich falsch mache, habe ich Angst und brauche Sicherheit". Die "logische" Bitte, dass mein Chef also nicht mehr sagt, was er falsch findet, führt natürlich nicht zu der erhofften emotionalen Sicherheit. Dahin führt nur ein empathischer Umgang mit meiner inneren Stimme, die mich selbst dafür verurteilt, einen "Fehler" gemacht zu haben und ein echter Kontakt zu meinem Bedürfnis nach (Selbst-)Anerkennung.
Und natürlich gilt: Es ist nichts verkehrt daran, ein extrinsisches Bedürfnis nach "emotionaler Sicherheit" ausdrücken - es braucht vor allem Empathie und die Erfahrung von Zugehörigkeit, Anerkennung, um dieses Bedürfnis zu internalisieren.
Gewalt kann also innerlich, subjektiv erlebt werden, auch wenn die Intention des Gegenübers nicht gewalttätig ist. Wenn ich meinen Kindern nicht das gebe, was sie möchten, erleben sie dies sicherlich als gewalttätig (und weinen, werden wütend etc.), auch wenn meine Intention nicht gewalttätig war (was sie manchmal durchaus ist - nobody is perfect...)
Ich halte den Begriff "Emotionale Gewalt" für fragwürdig, besonders wenn er mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie körperliche Gewalt verwendet wird. In der Gewaltfreien Kommunikation verwenden wir aus diesem Grund das Bild der "Wolfsohren", die jemand aufgesetzt hat, wenn er/sie hinter den Worten anderer Kritik oder Angriffe hört.
Dies führt mich zu einer weiteren Ebene bei der Frage "Was ist Gewalt?", die das Thema aus der Außensicht betrachtet.
Die subjektive Außensicht auf Gewalt
Wenn wir menschliche Entwicklungsstufen betrachten und hier sehr vereinfacht mal die drei Stufen egozentrisch (Ich), soziozentrisch (Wir, Gruppe) und weltzentrisch (Wir alle) annehmen, dann scheint es mir sinnvoll, auch mindestens drei Formen von "Gewaltdefinition" zu unterscheiden.
Aus einer egozentrischen Sicht bedeutet Gewalt: "Wenn Du mein Bedürfnis nicht siehst - und erfüllst - bist Du gewalttätig!"
Aus einer soziozentrischen Perspektive interessieren vor allem meine und die Bedürfnisse der eigenen Gruppe, Familie, Stamm, Nation etc. "Es muss vor allem uns gutgehen!". Gewalt ist, wenn die Bedürfnisse meiner Gruppe nicht gesehen/erfüllt werden.
Erst auf einer weltzentrischen Ebene sind Menschen bereit, die Bedürfnisse aller Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Religion etc. als gleichwertig zu betrachten (die eigenen und die der eigenen Gruppe eingeschlossen). "Es soll allen Menschen gut gehen." Gewalt ist dann, wenn die Bedürfnisse aller Menschen nicht anerkannt werden.
(Und es gibt weitere Ebenen, z.B. eine "universale Perspektive", die die Bedürfnisse aller fühlenden Wesen mit einschließt, wie bspw. die buddhistische Haltung "Mögen alle Wesen glücklich sein".)
Die Definition des Centers for Nonviolent Communication setzt eine weltzentrische Sichtweise voraus bzw. postuliert diese. Das "Problem" mit diesen Ebenen und Perspektiven ist jedoch, dass wir sie nicht von "Innen" heraus wahrnehmen, sondern nur durch Interaktion mit und Rückmeldung von anderen Menschen ("von Aussen") erkennen können.
Von "Innen" gesehen, in meinem eigenen, subjektiven Erleben, habe ich die Gefühle, die ich habe, Punkt. Ich werde, wenn ich auf einer egozentrischen Ebene bin, niemals einen Gedanken haben der sagt "Oh, das ist jetzt ein egozentrisches Gefühl." Das gleiche gilt für das innere Erleben von Bedürfnissen.
Erst die Rückmeldung von Außen kann mir deutlich machen, ob und wie ich andere Bedürfnisse berücksichtigt habe- und dann stellt sich die Frage, ob ich diese Bedürfnisse überhaupt als solche wahrnehme (Babys können dies noch nicht), bzw. ob und wie ich in meine Handlungsentscheidungen einfließen lasse. Daran wird deutlich aus welcher Perspektive heraus ich handle.
D.h. ein Gefühl/Bedürfnis kann egozentrisch, soziozentrisch oder weltzentrisch fundiert sein. Jemand kann traurig sein, weil seine/ihre Bedürfnisse (egozentrische Sicht), die Bedürfnisse der Menschen in seiner Gruppe (soziozentrische Sicht) oder die Bedürfnisse aller Menschen (weltzentrische Sicht) nicht anerkannt werden.
"Gleiches" Gefühl - "gleiches" Bedürfnis - völlig unterschiedliche Weltsicht.
Meiner Erfahrung nach wird in der "Szene der Gewaltfreien Kommunikation" oft (fälschlich) angenommen, dass alle Menschen automatisch eine weltzentrische Perspektive hätten. Die Aussage "Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse" wird (miss-)interpretiert als "Alle Menschen sind sich bewusst, dass sie die gleichen Bedürfnisse haben und erkennen diese an".
Dies halte ich für weit gefehlt, wie Untersuchen zeigen (z.B. Spiral Dynamics ca. 60-70% der Weltbevölkerung haben eine ethno/soziozentrische Perspektive), aber auch der gesunde Menschenverstand legt dies nahe - eine durchgängig weltzentrische Perspektive würde Kriege zwischen verschiedenen Glaubensgruppen, Ethnien oder Nationen eher zur Ausnahme machen.
Oder andersherum gesagt: Wenn jeder eine weltzentrische Perspektive hätte, bräuchten wir keine Gewaltfreie Kommunikation mehr!
Diese "Außen-Sichtweise" auf Gewalt bietet mir auch eine haltbare Erklärung für die Behauptung der Gewaltfreien Kommunikation, dass es so etwas wie schützende Gewalt (im Gegensatz zu bestrafender Gewalt) gibt. Marshall nennt oft als Beispiel das Kind, dass auf die Straße vor ein Auto läuft und dass ich zurückziehe ohne vorher groß nach seinen Bedürfnissen zu fragen.
Wenn ich dem zustimme, ist doch die spannende Frage "Wer schützt hier wen vor was" und die Antwort lautet nach meinem Verständnis:
Jemand mit einer umfassenderen Perspektive übt Gewalt aus, d.h. übergeht die Bedürfnisse eines Menschen mit weniger umfassender Perspektive, um dessen und die Bedürfnisse anderer zu schützen.
Die Tatsache, dass die Frage "Was ist eine umfassendere Perspektive?" nicht immer einfach zu beantworten ist, sollte uns nicht von davon ablenken, dass wir ohne die Anerkennung einer gesunden Hierarchie von immer umfassenderen Perspektiven - egozentrisch - soziozentrisch - weltzentrisch in Probleme kommen. Z.B. gäbe es dann wenig Grund, gewalttätiges Handeln gegenüber Menschen für schlechter zu halten als gewaltfreies (das haben Sie, Herr Heuler, ja auch schon erwähnt).
Beide Sichtweisen die innere und äußere subjektive Sicht auf Gewalt halte ich für sehr wichtig - wenn wir eine von beiden vergessen oder verabsolutieren, führt dies auf die eine oder andere Art zu noch mehr Gewalt und Leiden.
Beantwortet das Ihre Frage, Herr Heuler?
Mit herzlichen Grüßen,
Markus Sikor
12.1.08
Könnten Sie mal Gewalt definieren?
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Markus Sikor
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12.1.08
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7.1.08
Moral des Altruismus - ein Kommentar von Oliver Heuler
Oliver Heuler , Papa eines "unerzogenen Anarchisten" hat meinen Beitrag "Integral trifft Gewaltfrei" kommentiert.
Da erfahrungsgemäß Kommentare im Blog etwas untergehen bzw. übersehen werden und ich diesen lesenswert finde, stelle ich ihn hier noch mal als extra Beitrag ein. Auf die Bitte von Herrn Heuler möchte ich in einem der nächsten Beiträge eingehen - denn "Was ist eigentlich Gewalt?" ist ja für uns "Gewaltfreie Kommunikatoren" eine nicht ganz unwichtige Frage, oder?
Hier also der Beitrag von Oliver Heuler:
"Ich finde es interessant, dass Rosenberg einerseits so nachdrücklich gegen das Wort »sollte« argumentiert wie auch gegen die Dichotomien gut - schlecht, richtig - falsch, krank - gesund und so weiter — und sich andererseits bewusst ist, dass die Haltung des Nicht-Bewertens selbstwidersprüchlich ist.
Das Wort »sollte« und die Dichotomien sind doch einfach nur Signalwörter, die zeigen, dass man über eine Moral spricht. Klar, wenn ich eine Bitte an einen anderen habe, dann ist es nicht hilfreich, ihm vorab eine Kritik zu servieren (»Dein Verhalten war falsch, schlecht und böse«), sondern mit einer möglichst objektiven Beobachtung zu beginnen.
Aber wir können nicht auf eine Moral und damit Hierarchien verzichten: Gewaltfrei kommunizieren ist z.B. besser als morden. Man unterhält sich ja auch bisweilen über allgemeine Prinzipien. Ich habe also keine Bitte an einen Menschen, sondern unterhalte mich nur über allgemeine Fragen der Ethik. Was spricht gegen die Aussage: »Man sollte einfühlsam sein« oder »Man soll nicht stehlen, morden und so weiter« oder »Ich finde es gut, wenn die Menschen gegen den Krieg demonstrieren.« Ist das so viel anders als »Wenn ich sehe, wie diese Menschen gegen den Krieg demonstrieren, macht mich das glücklich, weil mein Bedürfnis nach Frieden und Harmonie befriedigt ist«?
Könnte es sein, dass Rosenberg einfach nur gegen die christliche Ethik allergisch ist, weil die Moral des Altruismus eben gerade nicht dazu führt, dass die Menschen Konflikte schnell lösen können und glücklich werden, sondern diese Moral eher ein Dominanz-Instrument ist? Warum die Moral des Altruismus so problematisch ist, habe ich hier länger ausgeführt: http://www.heuler.de/freiwillig
Hinzu kommt, dass uns diese Moral meist mit der Schuld- und Schamkeule eingeimpft wird, was Rosenberg auch zurecht ablehnt.
Könnte es also sein, dass er das Kind (Ethik) mit dem Badewasser (Altruismus und die Art der Indoktrinierung dieser Moral) ausgeschüttet hat?
Warum nicht einfach die Ethik umdefinieren, sodass sie das Wohlbefinden unter den Menschen steigert und gewaltfrei ist, z.B.: Die Freiheit eines jeden hat als logische Grenzen die Freiheit der anderen. Man müsste Freiheit dann noch genauer definieren, z.B. als Abwesenheit von Gewalt und Zwang. Was wiederum erfordert, dass wir Gewalt genauer definieren.* Aber diese Definitionen wären ja zu finden.
Diese neue Ethik könnte dann auch anders vermittelt werden, eben auch gewaltfrei und ohne Zwang.
Was spräche dann dagegen, diese Dichotomien und das Wort »sollte« wieder zuzulassen?
Gruß Oliver Heuler
Das wäre meine Bitte an Sie, Herr Sikor: Könnten Sie mal Gewalt definieren?"
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Markus Sikor
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7.1.08
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5.1.08
Integral trifft Gewaltfrei...
Witzig - kaum schreibe ich einen Beitrag zum Thema "Lernstufen", da stolpere ich über den Blog von Steve McIntosh, Autor von "Integral Consciousness", der von seinem Zusammentreffen mit einem Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation berichtet.
Blog of Steve McIntosh, author of Integral Consciousness: The First Leg of My Book Tour. Er schreibt,
"At one New Age bookstore talk I received a comment that the philosophical idea of “the good” did not comport with the principles of “non-violent communication.” The questioner even quoted Rumi as inviting us to “meet in a place beyond good and evil.” My polite response was that the integral philosophy of evolution is chiefly concerned with the improvement of the human condition, and that it effectively transcends the “black and white” conceptions of good and evil characteristic of the traditional level. Nevertheless, I emphasized that the idea of “the good” is a very important concept that we need to hold onto, even as we recognize this value’s dialectical metamorphosis through the growth of the spiral of development."
[Übersetzung Markus: "Während eines Gesprächs in einem New-Age-Buchladen meinte jemand, dass sich die philosophische Idee des "Guten" nicht mit den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation" vertrage. Der/die Fragende hat auch noch Rumi zitiert, der uns einlade "sich an dem Ort jenseits von Gut und Böse zu treffen". Meine höfliche Antwort war, dass die integrale Philosophie der Evolution ernsthaft an der Verbesserung der menschlichen Bedingungen interessiert ist, und dass sie tatsächlich die "schwarz-weiß"-Konzepte von Gut und Böse transzendiert, die traditionelle Ebenen auszeichnen. Ich betonte, dass die Idee des "Guten" dennoch ein sehr wichtiges Konzept ist, dass wir festhalten sollten, auch wenn wir erkennen, wie sich die Werte dialektisch wandeln während des Wachstums auf der Entwicklungsspirale."]
Dazu ließe sich Vieles sagen, hier nur Folgendes: Die Gewaltfreie Kommunikation ist nicht, noch einmal, nicht wert- oder bewertungsfrei! Um unsere Bedürfnisse als erfüllt / unerfüllt zu bemerken müssen wir die Realität a) wahrnehmen und b) ein Urteil fällen, d.h. die Realität bewerten (ob sie unsere Bedürfnisse erfüllt / oder eben nicht).
D.h. selbst innerhalb der Methodik der Gewaltfreien Kommunikation ist eine Wertungsebene gegeben - und sie geht damit von dem Prinzip des "Guten" (gut für meine Bedürfnisse) aus, bleibt da aber nicht stehen, sondern geht darüber hinaus. Auch Marshall Rosenberg betont dies immer wieder (das letzte Mal, als ihn jemand gefragt hat, "ob man denn in der GFK weiter bewerte", meinte er nur lapidar "Das hoffe ich doch schwer - wie willst du sonst wissen, ob deine Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht?").
Darüber hinaus vertritt natürlich auch die Gewaltfreie Kommunikation an sich, als Gesamtkonzept, ein sehr deutliches Werturteil. Sie trifft unterscheidende (wertende) Aussagen darüber, welche Kommunikation "lebensdienlich", "gewaltfrei", "verbindend" etc. ist.
Ich finde die Gewaltfreie Kommunikation gut und ich kann dies dann mit meinen (damit erfüllten) Bedürfnissen begründen - was nichts daran ändert, dass ich auch damit eine Bewertung treffe. Wenn ich dies vermeiden wollte, würde ich zum Einen in heillose argumentative Schwierigkeiten kommen und, was schlimmer ist, einem geist- und sinnentleertem Relativismus frönen, der in letzter Konsequenz nichts gut oder schlecht findet und richtungslos im Wertevakuum umherirrt.
Ich denke die Schwierigkeit liegt für viele "Neulinge" darin, dass die Gewaltfreie Kommunikation Werte transformiert, d.h. sie schließt Wertedenken ein (!) und geht darüber hinaus. Wir verstehen Werte und Bewertungen als natürlichen und wichtigen Ausdruck des Lebens - und daher schätzen wir das "Wolfsdenken" (bewertendes Denken) und nutzen sie als Material und Ausgangspunkt für das menschliche Wachstum auf der endlosen Spirale des Mitgefühls und der Bewußtheit.
Aus Sicht einer integralen Entwicklungsperspektive ist die Gewaltfreie Kommunikation Ausdruck egalitärer, weltzentrischer, alle Menschen umfassenden Werte. "Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse" und "Wir suchen Wege, die die Bedürfnisse aller Menschen wertschätzen" sind nur zwei Varianten dieser weltzentrischen Aussagen.
Manche übersehen dabei jedoch, dass Menschen einen inneren Entwicklungsweg hinter sich haben - von egozentrisch (Ich bin wichtig), über soziozentrisch (meine Gruppe/Familie/Stamm/Land/Religion ist wichtig) -, bevor sie weltzentrische Werte aus sich heraus anerkennen und leben (!) möchten. Manche Erwachsene bleiben auch auf einer eher ego- oder soziozentrischen Ebene stehen, was völlig in Ordnung ist (jeder hat das Recht, auf der Ebene zu sein, wo er/sie ist) - solange er/sie diese Weltsicht nicht mit Gewalt anderen Menschen aufzwingen möchte...
Ich freue mich über Kommentare und Fragen - gerne auch gleich hier im Blog
© Markus Sikor
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Markus Sikor
am
5.1.08
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4.1.08
Lernstufen in der Gewaltfreien Kommunikation
Die Betonung der Gleichheit aller Menschen auf der Ebene der Bedürfnisse (die ich teile), wird also so wohltuend und berührend erfahren, dass der Blick auf die Unterschiedlichkeit der Menschen als eine (zu) schmerzhafte "Trennung" erlebt und lieber vermieden wird.
Auf Verhaltensebene sind wir unterschiedlich und manchmal sogar einzigartig. Hier kommt die Individualität jedes einzelnen ans Licht der Welt. Ein kompetenter Mediziner kann Leben retten - aber kein Auto reparieren.
Die psychologische Forschung zeigt, dass alle menschlichen Entwicklungslinien (Kognition, Moral, Selbstwahrnehmung, Bedürfnisse etc.) ähnliche Wachstumsstrukturen aufweisen.
So verläuft bspw. die moralische Entwicklung des Menschen von "Ich" (egozentrisch, Kleinkinder), über "Wir" (ethno- oder soziozentrisch, Jugendliche / Erwachsene) zu "Wir alle" (weltzentrisch, manche Erwachsene).
Jean Piagets Entwicklungsstufen
Kohlbergs Stufen der moralischen Entwicklung
Carol Gilligans Stufen der moralischen Entwicklung
Robert Keagans Stufen der Selbstentwicklung (engl.)
Wertestufen nach Clare W. Graves (Spiral Dynamics)
Bedürfnisstufen nach Abraham Maslow
Wer sich wundert, dass er/sie immer wieder "zum Wolf wird" (d.h. völlig in die Abwertung des Gegenübers zurückfällt) kann sich selbst, natürlich liebevoll, daran erinnern, dass es in der Gewaltfreien Kommunikation mindestens drei Lernstufen gibt:
1. Basis-Kenntnisse
Verständnis der ersten vier Schlüsselunterscheidungen (Beobachtung - Bewertung, Gefühl - Gedanke etc.), Ziel der Gewaltfreien Kommunikation u.a.
2. Fähigkeiten
Selbst-Empathie, Identifizierung - Differenzierung von Gefühlen/Gedanken, Empathie in andere u.a.
3. Fähigkeiten-Set
Verständnis herstellen und Verstanden werden, Schleife der Kommunikation - "Tanz von Ehrlichkeit und Empathie" ("Giraffentanz") u.a., Transformation von Gefühlen
Darüber hinaus gibt es die komplexe Anwendung all dieser Fähigkeiten und Kenntnisse in speziellen Beratungssituationen, d.h. es gibt Multiple-Fähigkeiten-Sets wie Mediation, Coaching, Training etc.
So wie niemand erwartet, dass man in einer Fremdsprache sofort grammatisch korrekte Sätze spricht, so sollte niemand von sich (oder anderen) erhoffen, die typischen Lernstufen in der Gewaltfreien Kommunikation zu überspringen
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Markus Sikor
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4.1.08
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9.12.07
"The Secret", "What the Bleep" - Flachland zum Zweiten...
Der Blogpost zum Film "The Secret" ist einer der meistgelesenen hier, er hat auch die meisten kritischen Kommentare Artikel abbekommen... interessant, vielleicht sollte ich mein Metier doch wechseln ;o).
Ich bin sicher, die Autoren und Produzenten von "The Secret" und "What the Bleep..." haben die besten Absichten und möchten die Menschen ermutigen, ihr Leben selbstbewußt in die Hand zu nehmen, etwas zum Positiven zu verändern. Da bin ich sehr einig mit ihnen.
Aber: Das Mittel und die Art und Weise, wie sie dies in ihren Filmen vermitteln, haben, so fürchte ich, auf einer tieferen Ebene das genaue Gegenteil zur Folge. Nicht wachsendes Selbstvertrauen und echte Selbsterkenntnis, sondern noch mehr Verdrängung und ein noch verbogeneres Selbstbild. Nicht wachsendes Bewusstsein und mehr Mitgefühl, sondern noch mehr Egozentrik und noch mehr Allmachtsphantasien.
Nur weil ich mir bewusst einrede, "Erfolg zu haben", oder "fest an meine Wünsche" denke, verändert sich weder meine persönliche Geschichte mit all den traumatischen Erfahrungen, noch meine tiefen Glaubenssätze und unbewussten Überzeugungen, die mich hindern, mein authentisches, menschliches Potential zu leben. Da kann ich noch so viel bewusst "schön denken" - meine unbewussten Muster und Schattenanteile werfen mir bei nächster Gelegenheit die gleichen Steine in den Weg.
Hier erschwert oder, im schlimmsten Falle verhindert die oberflächliche Psychomethode von "The Secret" und "The Bleep" eine echte Auseinandersetzung mit den persönlichen Themen, die notwendig sind für ein weiteres Wachstum hin zu mehr Authentizität, Bewusstheit und Mitgefühl.
Fast noch schlimmer und erschreckend finde ich die subtile "Schuldfrage", die in diesen Filmen meiner Meinung nach zwangläufig aufkommt. Wenn Du nicht genug Geld hast, nicht erfolgreich oder gar krank bist - dann hast Du einfach nicht die richtigen Gedanken gedacht und die falschen Entscheidungen getroffen, denn: "Du bekommst, was du denkst." - selbst schuld. (Diese ist by the way, eine klassische "konservative" Denkweise, Menschen sind selbstverantwortlich, schon wahr, aber eben nur teilweise. Bin mir nur nicht sicher, ob "The Secret"-Adepten dies klar ist).
Aussagen von "The Secret " und "The Bleep" wie "Du bist 100% verantwortlich für Dein Leben " halte ich nicht nur für falsch, sondern für höchst bedenklich und erschreckend.
Natürlich können wir in unserem Leben Entscheidungen treffen und natürlich ist unser Leben, eine Folge unserer richtigen und falschen Entscheidungen. Aber die Behauptung, "mein Leben sei zu 100% meine Entscheidung" scheitert spätestens an dem, was ein Philosoph den "Ausschwitz-Test" genannt hat: "Kann man sagen, dass ein KZ-Insasse (ein Kind?) zu 100% für seine Situation verantwortlich ist"?
Diese Frage mit "Ja" zu beantworten, würde ich als gefühllos, unethisch und unspirituell bezeichnen. Gefühllos, weil ich glaube, dass derartige New-Age-Überzeugungen im Grunde nur eine Abwehr gegen ein echtes Mitgefühl mit der tiefen Verzweiflung, Angst und Sinnlosigkeit dieser Erfahrung ist. Unethisch, weil sie andere Menschen aus der Verantwortung für diese Gewalt und Ungerechtigkeit entlässt. Unspirituell, weil dahinter meist ein völlig verdrehtes Verständnis von Spiritualität steht, mit dem schreckliche Erfahrungen für die Menschen dann auch noch schön geredet werden sollen ("das war ihr Karma", "Schicksal", "ihre Aufgabe" u.ä.).
Wen eine weitere Vertiefung dazu interessiert: Julian Walker über "The Secret" und Kritik an "The Bleep" (Englisch)
23.11.07
Online-Test: Wie fair ist Ihr Unternehmen?
Die QETcert OHG aus Erlangen bietet unter www.wir-sind-fair.de einen kostenfreien Fairness Check für Mitarbeiter und Unternehmer an.
Wir sind fair! Die Kampagne für mehr Unternehmenskultur.
Nette Marketingidee - mal sehen, was dann daraus wird... wie wär´s wenn man das Ergebnis öffentlich einsehen und diskutieren könnte. Nicht um mit dem Zeigefinger auf die "schwarzen Schafe" zu zeigen, sondern um einen positiven Veränderungsimpuls zu liefern und vor allem, um von fairen Unternehmen zu lernen, wie man Gewinne macht, die nicht auf Kosten des menschlichen Umgangs gehen.
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Markus Sikor
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23.11.07
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25.10.07
Trägt Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft bei?
Ein Beitrag zum Blog-Karneval Mediation von Kirstin Nickelsen.
Als Mediator möchte ich, wie sicher viele meiner KollegInnen auch, etwas zu einer positiven Veränderung in dieser Welt beitragen. Daher beschäftigt mich seit vielen Jahren die Frage, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft beiträgt?
Im Laufe der Zeit und nach vielen positiven, aber auch einigen ernüchternden Erfahrungen hat sich meine Antwort auf diese Frage von einem begeisterten "Ja!" zu einem vorsichtigeren "Manchmal!" gewandelt. Etwas provokativer (und beunruhigender) könnte ich mich auch fragen: Wann macht meine Arbeit als Mediator eigentlich Sinn?
Sozialer Wandel: Vom Dominanz- zum Partnerschafts-Paradigma
Grundsätzlich, ohne hier ins Detail zu gehen, meine ich mit sozialem Wandel den Übergang von einem dominanzorientierten zu einem partnerschaftlichen Umgang -in Familien, Schulen, Organisationen, Unternehmen, in der Gesellschaft als Ganzes.
Dominanzsysteme zeichnen sich aus durch "Macht-über-Menschen", sie betonen Pflicht, motivieren mit Strafe und Belohnung, zeichnen sich durch Macht-Hierarchien, Status und Konformität aus; Partnerschaftssysteme dagegen sind durch "Macht-mit-Menschen" gekennzeichnet, sie betonen Kommunikation, funktionelle Hierarchien, motivieren durch intrinsische Motive, betonen Authentizität und Individualität. Bahnbrechend sind hier sind die Arbeiten von Riane Eisler, Alfie Kohn, David Korten, Marshall Rosenberg u.a. Diese kleine Übersicht zeigt, ohne annähernd vollständig zu sein, einige Unterschiede von partnerschaftlich versus dominanzorientierten Systemen.
Die Frage ist also, inwieweit Mediation zur Weiterentwicklung und Veränderung dominanzorientierter Strukturen beiträgt?
Translative und transformative Mediation
Der Philosoph Ken Wilber hat darauf aufmerksam gemacht, dass man bei der Frage nach Entwicklung und Veränderung von Strukturen einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Transformation und Translation machen muss.
Transformation meint den substantiellen Übergang von einer Entwicklungsstufe zur nächsten (also z.B. vom Dominanz- zum Partnerschaftsparadigma). Translation dagegen meint eine anpassende Veränderung auf der jeweiligen Entwicklungsstufe, um mit den Gegebenheiten besser zurecht zu kommen. Während Transformation eher herausfordert, in Frage stellt und zu Wachstum führt, beruhigt Translation, läßt die Beteiligten sich wieder besser fühlen und funktionieren.
Mediation kann zur Transformation beizutragen
Das Win-Win-Paradigma der Mediation kann durch den Machtausgleich zwischen den Konfliktbeteiligten durchaus zu einem wachsenden, partnerschaftlichem Bewußtsein beitragen. Die Mediation hebt die dominanzorientierte Machthierarchie zeitweise auf (nicht aber die funktionale, partnerschaftliche Hierarchie). Ein Vorgesetzter bleibt auch in einer Mediation funktional verantwortlich, gleichzeitig kann er sich in der Argumentation nicht auf Status, Privilegien oder Einschüchterung zurückziehen. Durch eine erfolgreiche Mediation können dominanzbetonte Führungskräfte erleben, dass Effektivität und Menschlichkeit kein Widerspruch sein muss.
Mediation in der Praxis wirkt meist translativ
Allerdings ist die Gefahr groß, dass Mediation in den meisten Fällen eher der Translation als der Transformation dient - dem besseren Funktionieren der Struktur bzw. Organisation ohne das grundlegenden Dominanz-Denken zu verändern. Konflikte werden gelöst, ohne die konfliktfördernden Ursachen zu benennen, geschweige denn zu beseitigen. Dies ist ungefähr so, um ein Bild zu nutzen, wie wenn man von der überkochenden Milch immer wieder den Schaum abschöpft, ohne jemals daran zu denken, die Heizplatte kleiner zu drehen.
Transformative Mediation hieße, Auftraggebern und Konfliktparteien (vor, nach und während einer Mediation) behutsam aber hartnäckig bewußt zu machen, dass sie in einem Dominanzsystem arbeiten und viele Konflikt systembedingte Symptome sind, die immer wieder auftreten werden, solange nicht die grundlegenden Entscheidungs- und Funktionsstrukturen angepasst werden.
Wann Transformation, wann Translation?
Es ist für Klienten eine frustrierende Erfahrung, dass auch nach einer erfolgreichen Mediation die gleichen Spannungen und Konfliktthemen wieder auftauchen. Ein typisches und häufiges Beispiel in Organisationen ist Mobbing, dass, wenn grundlegende Führungs- und Organisationsdefizite nicht beseitigt werden, auch nach einer erfolgreichen Mediation regelmäßig wieder auftreten wird. Dies ist ein typisches Sypmtome dafür, dass die Mediation nur translativ wirkte und die notwendige Transformation des Systems noch aussteht.
Translation hat ihre Berechtigung - ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich translative Mediation für überflüssig oder gar schlecht halte. Sie dient dem psychischen und seelischen Wohlbefinden der Beteiligten und ist daher absolut notwendig und hilfreich. Es ist jedoch genauso notwendig, dass Mediator- und KonflikttrainerInnen sich des grundsätzlichen Unterschieds zwischen transformativen und translativen Veränderungen bewußt sind, um ihren Klienten die angemessene Unterstützung anbieten zu können.
Sonst besteht die Gefahr, dass durch eine Mediation oder andere Beratungsansätze mit translativer Wirkung die ungesunden, konflikt- und gewaltfördernden Strukturen in Familien, Organisation und Unternehmen erhalten bleiben - zum Nachteil aller Beteiligten.
Markus Sikor
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Markus Sikor
am
25.10.07
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4.10.07
Weltweite Blogaktion Free Burma
Wir möchten diese Aktion in einem Bewußtsein des Leids auf beiden Seiten unterstützen.
Es ist zu einfach, angesichts der menschlichen Tragödie in Burma in ein "Täter / Opfer-" oder "Unterdrücker / Unterdrückte" Denken zu verfallen. Wir sind überzeugt, dass in oppressiven Gesellschaften wie bspw. in Burma alle Beteiligten auf unterschiedlichen Ebenen leiden.
Unser tiefes Mitgefühl gilt daher dem Leid aller Menschen in Burma - den Familien, die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen und ihre Kinder ernähren sollen; den Intellektuellen, die sich nach Demokratie und Meinungsfreiheit sehnen; den Soldaten, die auf Befehl Mönche und Demonstranten erschießen; den Generälen, die diese Befehle ausgeben.
Traumtisierte Menschen in Machtpositionen regieren Gewalt und verursachen so weiteres Trauma. Ein Teufelskreis, den die Menschheit erst langsam in aller Konsequenz zu verstehen beginnt. Da dieses Verständnis die Grundlage für einen gewaltfreien sozialen Wandel ist, möchten wir in diesem Zusammenhang nochmals auf das hervorragende Buch "Power Under - Trauma and Nonviolent Social Change" von Steven Wineman verweisen. Eine deutsche Übersetzung ist von Karin Schnurpfeil in Arbeit.
Falls Sie das Buch kostenlos von der Website herunterladen, denken Sie doch daran, Steven Wineman eine Spende von ca. 10 US-Dollar zukommen zu lassen für seine Arbeit. Er hat bis jetzt keinen Verlag für sein Buch gefunden.
Eingestellt von
Markus Sikor
am
4.10.07
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27.9.07
Leben wir in gefährlichen Zeiten? Eine kurze Geschichte der Gewalt
Interessanter Vortrag von Steven Pinker, der behauptet, "Alles was Sie gemeinhin über Gewalt zu wissen meinen, ist falsch!". Seine These: Wir leben heute so sicher und gewaltarm wie noch nie in der Geschichte der Menschheit - was meint Ihr?
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Markus Sikor
am
27.9.07
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5.9.07
"Das war nicht gewaltfrei!" - Prä-/Trans-Verwechslung in der Gewaltfreien Kommunikation
Diese Situation kennt bestimmt jeder, der schon mal Seminare in Gewaltfreier Kommunikation besucht hat. Plötzlich reden alle etwas komisch, antworten kryptisch und sagen Dinge wie "Das war aber jetzt nicht gewaltfrei!" (siehe z.B. dieser Blogeintrag eines anscheinend leicht "GFK-Geschädigten" ).
Vielen Neulingen in der Gewaltfreien Kommunikation (und nicht nur diesen ;o) unterläuft in der ersten Begeisterung der Fehler, dass sie denken, sie hätten nun die "richtige", "lebensbereichernde", "gewaltfreie" Sprache gefunden - und dass man nun doch bitte nur noch in "Gefühlen und Bedürfnissen" sprechen möge, weil dadurch das Leben viel einfacher, schöner und harmonischer würde. (An dieser Stelle bekomme ich dann immer lang anhaltende Schreikrämpfe... ;o)
Scherz beiseite, was hier passiert ist die typische Prä-Trans-Verwechslung, wie sie Ken Wilber beschrieben hat (*). Kurz gesagt heißt das: Anhand der verwendeten Worte kann man nicht sagen, ob jemand im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation handelt und spricht - oder nicht.
Der Satz "Du bist doof!" kann perfekt gewaltfrei sein, der Satz "Ich bin erschöpft und brauche Unterstützung - magst Du mir helfen?" kann die Kommunikationsbombe schlechthin sein.
Die einzige Unterscheidung ob gewaltfrei oder nicht, ist die Intention und Bewußtheit aus der heraus jemand spricht und handelt. Oder in Marshall Rosenbergs Worten "If you think other people are jackals then you are the jackal" ("Wenn Du denkst, andere Menschen sind wölfisch (d.h. "nicht gewaltfrei", ), dann bist selbst Du der Wolf").
Um Klarheit in diese Verwirrung zu bringen hilft die Prä-/Trans-Unterscheidung. Nach Ken Wilber vollzieht sich jede Entwicklung, jedes Lernen in drei Stufen:
Präkonventionell, konventionell, transkonventionell (auch postkonventionell genannt).
Am Beispiel der des Kochens (oder jeder anderen erlernten Fähigkeit) lässt sich dies leicht verdeutlichen. Bevor man die „Regeln der Kochkunst“ gelernt hat und die Zutaten und Gewürze kennt, sind die Intention und das Ergebnis des Kochens zufällig und ungeplant – man kocht präkonventionell.
Dann lernt man die Regeln, lernt die Ingredienzien und Zutaten kennen, hält sich an Rezepte. Das Ergebnis ist nun geplanter Ausdruck der Intention, allerdings durch die Regeln / Konventionen und Rezepte eingeschränkt – man kocht konventionell.
Wenn man die Regeln integriert hat, kann man sich frei entscheiden, diese zu beachten oder nicht. Man arbeitet situativ, intuitiv, frei – trans- oder postkonventionell.
Auf die Gewaltfreie Kommunikation bezogen:
Präkonventionelle Stufe = keine Bewußtheit über Intention = "Wölfisch"
Wir sprechen, wie wir es gewohnt sind (gelernt haben), ohne über die Intention und Folgen nachzudenken. Wir sind nicht bewusst, dass wir aus Bedürfnissen heraus sprechen und unser Handeln ein Versuch ist, unsere (unbekannten) Bedürfnisse zu erfüllen. Präkonventionelle Sprache, kann „hart“ oder „weich“ sein, angreifend oder nett, auf jeden Fall ist es unbewusst über die Intention und Struktur.
- Form und Struktur: unentwickelt, unbewusst
- Ausdruck der Intentionist: zufällig, wenn überhaupt<
Konventionelle Stufe = formelhafte Sprache ("4 Schritte") = technische "Giraffensprache"
Der bewusste Umgang mit der Sprache führt zu einer starken Anwendung von Regeln und einer (unbewussten) Tendenz der Bewertung, obwohl man doch "nicht bewerten wollte" (z.B. zu Aussagen wie „Das war nicht Giraffisch!“).
- Form und Struktur: Klare Regeln (4 Schritte), Übungsorientiert
- Ausdruck der Intention: Entwickelt sich, begrenzt durch Regeln und Übungen
Transkonventionelle Stufe = Bewußtheit der Intention der Gewaltfreien Kommunikation = freie, natürliche "Giraffensprache"
Die Regeln sind integriert und können frei nach Situation angewandt werden. Im Kontakt mit authentischen Gefühlen und Bedürfnissen kann man sich frei verhalten und unzensiert sprechen, oder auch nach den 4 Schritten, in freier, in bewusster Wahl.
- Form und Struktur: Frei, die Regeln zu benutzen oder nicht.
- Ausdruck der Intention: Bewusster, freier, unbegrenzter Ausdruck der
Intention.
Prä-/Trans-Verwechslung
Da sowohl "präkonventionell" und "transkonventionell" beide "nicht-konventionell" sind - die eine Stufe hat noch keine Struktur und Reglen für die Formulierung der eigenen Bedürfnisse, die andere ist über Struktur und Regeln hinaus - werden sie leicht verwechselt. Das Problem ist, dass beide Stufen die gleichen Worte und Begriffe verwenden - aber aus völlig unterschiedlicher Intention und Bewußtheit heraus.
Die Intention wird jedoch nicht durch bestimmte Worte und Begriffe deutlich, sondern durch den Gesprächsprozess. Jemand der die Intention verfolgt, durch ein Gespräch Lösungen für die Bedürfnisse aller Beteiligten zu finden (und dementsprechend im Gespräch bleibt) - der handelt "gewaltfrei" im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation, unabhängig davon welche Worte diese Person verwendet und ob sie sich "in Gefühlen und Bedürfnissen ausdrückt", oder nicht (was, by the way, sowieso ein Widerspruch in sich selbst ist, da Menschen immer ihre Gefühle ausdrücken).
* Die Anwendung dieser Entwicklungsstufen auf die Gewaltfreie Kommunikation erfolgte meines Wissens erstmals durch TrainerInnen des NVC-Training-Institute (USA). Mein Dank an Susan Skye, Towe Widstrand, Wes Taylor und Robert Gonzales!
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Markus Sikor
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5.9.07
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Labels: Bedürfnisse/Werte, Gewaltfreie Kommunikation, Integrales Denken
22.6.07
"The Secret" - wenn tiefe Weisheit zu unsäglicher Flachheit wird...
Nachdem nun mit "The Secret - Law of attraction" die nächste "Wunscherfüllungsmaschine" anläuft (nach den "Bestellungen beim Universum" und ähnlichem) und diese Welle auch vor TeilnehmerInnen unserer Seminaren nicht haltmachen wird, muss ich dies hier einfach mal loswerden:
Leute, merkt Ihr denn nicht, dass hinter den Versprechungen in "The Secret" ein im besten Falle kindlich-naiver und im schlimmsten Falle psycho-pathologischer "Mein-Ego-steuert-die-Welt-Glaube" steht. "Bewiesen" werden die Behauptungen im Film oder im gleichnamigen Buch von Rhonda Byrne durch eine wilde Mischung aus verflachter spirtueller Weisheit, aus dem Kontext gerissenen Erkenntnissen der Quantenphysik und den ewig gleichen Predigten amerikanischer Erfolgsautoren wie z.B. "World's #1 Coach" Bob Proctor.
Ist es so schwer zu erkennen, das dahinter schlichte Geldmacherei steckt? Warum wohl führt ein dicker Link auf "Secret-Germany" zur Seite "SGR" = "The secret of getting rich"?
Ist es so schwer zu sehen, dass das 1.995 Dollar Packet "The science of getting rich" ein cleveres Franchise-System ist nach dem Motto, Du kaufst mein schlaues Packet und ich zeige Dir, wie Du es an andere verkaufst? Was glaubt Ihr, wer damit hauptsächlich reich wird?
Was ich allerdings wirklich schmerzhaft finde ist die Tatsache, dass durch derartige Filme und Bücher die tiefe Weisheit, die hinter dem "Gesetz der Anziehung" steht, verflacht und entweiht wird. Es beginnt schon damit, dass diese Erkenntnis nie ein Geheimnis war, wie dies im Film suggeriert wird um dem Ganzen den Anstrich des Magisch-Geheimnisvollen zu geben.
Hinter dem "Gesetz der Anziehung" steht die uralte Erkenntnis, dass unsere Stimmung, unsere Gedanken und Gefühle Einfluss auf andere Menschen haben und damit wieder auf uns selbst und auf "unsere Welt" zurückwirken. "Wer Gewalt sät, wird Gewalt ernten" ist nur ein Ausdruck davon.
Diese Einsicht, die nicht ohne Grund von vielen Weisheitstraditionen und Religionen dieser Welt im Kern geteilt wird, ist eine weise psychologische Erkenntnis , die jedoch sicher nicht dazu gedacht war, Menschen ihre "5-Millionnen-Dollar-Villa" zu finanzieren (wie Jack Canfield im Film "The secret" stolz verkündet)!
Vielmehr sollte damit uns Menschen vor Augen geführt werden, dass jeder von uns eine Mitverantwortung für den Zustand dieser Welt trägt, für die Aufrechterhaltung von Gewalt, Hass und Unterdrückung. Da wir Menschen alle in emotionaler Resonanz stehen üben wir durch unsere Innenwelt direkten Einfluss auf unsere Mitmenschen aus. Dies wurde mittlerweile auch neurophysiologisch nachgewiesen ("Spiegelneuronen"). Daher drückt der Satz "Wer Gewalt sät (also in sich trägt), wird Gewalt ernten (also erleben)" helle Weisheit und tiefen Sinn aus - wohingegen der Satz "Wer das Geheimnis kennt, kann alles im Leben erreichen: Wohlstand, Geld, Gesundheit und Glück" ("The secret") dunkelste Verblendung und tiefster Unsinn ist.
Das "Gesetz der Anziehung" hat vor allem Wirkung auf der gleichen oder naheliegenden Bewustseinsebenen, also zwischen Menschen und/oder höheren Lebewesen. Schon auf der Ebene zellulärer Vorgänge (also des Körpers) hat die innere Einstellung zwar durchaus Einfluss (wie viele medizinische Studien belegen) aber dieser Einfluss ist bei weitem nicht so simpel kausal ("denke Dich gesund"), wie er im Film dargestellt wird.
Die innere Einstellung eines Menschen mag auch noch einen nachweisbaren Einfluss auf seine Haustiere (naheliegende Besussteinsform) haben, aber schon bei der ihn direkt umgebenen Materie scheinen die meisten Menschen Schwierigkeiten zu haben mit der Beeinflussung, oder nicht? Wann hat wohl jemand den Hausputz allein durch eine "klare innere Vorstellung von einem sauberen Haus" erledig? Da hilft halt nur, den Besen in die Hand zu nehmen und den Dreck wegzukehren - und was Du dabei denkst ist dem Dreck wahrscheinlich ziemlich egal, fürchte ich.
Sehr schade und sehr überflüssig, dass "The secret" den Zeitgeist ausnutzt, um Sinn und Sicherheit suchenden Menschen leere Floskeln und falsche Hoffnungen zu verkaufen.
19.5.07
Inspiration pur - TED "ideas worth spreading"
Weltweit bekannte Persönlichkeiten, inspirierende DenkerInnen und Visionäre bekommen bei der jährlichen TED-Konferenz in Monterey, USA, 18 Minuten, um über ihr Leben, ihr Werk und ihre Vision zu erzählen.
Einfach faszinierend - unbedingt ansehen bei TED
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Markus Sikor
am
19.5.07
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Do schools kill creativity?
Der Kreativitäts-Experte Sir Ken Robinsion über die natürliche Kreativität von Kindern und die systematische "Ab-Erziehung" durch Schule und Gesellschaft.
"We are educating people out of their creativity," sagt Robinson.
Ein tolles Video, tiefgehend, lustig und bewegend - unbedingt ansehen (Englisch).
Video ansehen
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Markus Sikor
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19.5.07
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12.5.07
Spiral Dynamics - Anwendungsbeispiel Ost - Westdeutschland

Eine Anwendung der Spiral Dynamics auf die Ost-West-Integration in Deutschland findet sich im Artikel „Quo vadis, Deutschland? - Eine Perspektive für erweitere Denk- und Handlungsräume“ von Dorothea Zimmer und Don E. Beck (What is Enlightenment?, Herbst 2005)
Der komplette und mit Grafik angereicherte Artikel findet sich hier bei Landsiedel-Seminare.
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Markus Sikor
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12.5.07
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Labels: Bedürfnisse/Werte, Integrales Denken, Sozialer Wandel, Spiral Dynamics
Wissen ist Macht - geteiltes Wissen ist geteilte Macht
dropping knowledge ist eine globale Initiative, die den freien
Austausch von Wissen fördert. Als digitale Quelle will das Projekt die
demokratische Kraft des Internets nutzen und zu einem neuen
gesellschaftlichen Dialog anregen.
Auf der dropping knowledge Internetplattform können Menschen aus
aller Welt Fragen stellen und beantworten, Meinungen und Ideen
austauschen und Initiativen starten. So entsteht die größte jemals
zusammengestellte Datenbank für soziale Themen. dropping
knowledge hat kein Besitzrecht auf diese Inhalte, sondern versichert
mit einer Copyleft-Lizenz, dass die gespendeten Materialien jederzeit
frei verfügbar bleiben. (Pressemitteilung von dropping knowledge)
29.4.07
Gapminder - Globale Entwicklung verständlich präsentiert

Gapminder ist eine vielprämierte Website, die sich der Aufgabe widmet, "trockene" statistische Zahlen verständlich aufzubereiten und zu präsentieren.
So gibt z.B die Seite "Globale Entwicklung 2005" (UNDP-Programm) einen anregenden und lehrreichen Überblick, in welchen Entwicklungsbereichen die Menschheit in den letzten Jahren Fortschritte gemacht hat - und wo nicht.
(Eine flotte Internetverbindung ist sinnvoll).
17.2.07
Gewaltfreie Erziehung
Ich möchte auf einen höchst lesenswerten Artikel zur gewaltfreien Erziehung hinweisen. Der Autor Oliver Heuler hat ihn als Kommentar anläßlich eines Interviews mit dem ehemaligen Salem-Direktor Bernhard Bueb, Autor von "Lob der Disziplin", verfaßt.
Überhaupt gefällt mir die Seite www.heulers.de- "ein Plädoyer für eine Erziehung jenseits von Zuckerbrot und Peitsche" - außerdordentlich gut und ich empfehle sie hier gerne weiter.
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Markus Sikor
am
17.2.07
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Labels: Integrales Denken, Schule / Kindergarten, Sozialer Wandel
19.1.07
BLAUE, ORANGE oder GRÜNE Mediation?
Viele frisch ausgebildete MediatorInnen sind erst mal enttäuscht, wenn sie feststellen, dass die Klienten nicht in ihr Büro stürmen sobald sie das Praxisschild neben die Haustür gehängt haben. Da helfen auch ausgefeilte Marketingmaßnahmen nicht unbedingt weiter(wie sie z.B. Frau Deutschman in ihrem Ratgeber "Mediation: Existenzgründung, Marketing, Kundengewinnung" beschreibt).
Letztes Jahr habe ich erlebt wie - welch Ironie - eine Mediatorin in einer schwierigen Vertragsverhandlung mit einer anderen Mediatorin stand. Was passierte wohl, als die Gespräch schwieriger wurden? Die eine Mediatorin begann per Anwaltsschreiben und Androhung von Regressansprüchen ihre Kollegin unter Druck zu setzen, welche dann aus Angst auch eine Anwältin in Anspruch nahm.
Wenn selbst ausgebildete Konfliktarbeiter unter Stress nicht auf das Mittel der Mediation zurückgreifen, wie groß wird dann wohl die Motivation beim "Mann/Frau von der Straße" sein?
Das Entwicklungsmodell Spiral Dynamik hilft uns, diese Phänomene zu verstehen und damit als MediatorInnen sinnvoll umzugehen.
Menschen handeln in Konflikten überwiegend von ihrem moralisch/ethischen Schwerpunkt aus. Nach den Studien der Psychologen Graves und Beck kann man davon ausgehen, das in Industrieländern ca. 70-80% nach folgenden Prinzipien denken und handeln:
- "Es muss höhere Ordnung und Gerechtigkeit geben - und Gerichte sind dazu da, dies zu entscheiden und durchzusetzen". (BLAU im System von Spiral Dynamics)
- "Es gibt keine höhere Ordnung. Recht ist eine subjektive Auslegungssache. Ich nutze das Rechtssystem, weil es mir Vorteile verschafft." (ORANGE im System von Spiral Dynamics)
Nur maximal 10-15 % der Bevölkerung sind laut Beck auf einer ethisch/moralischen Entwicklungsstufe (Sozial/Parnterschaftlich/Sensitiv - GRÜN oder Integrativ/Holistisch - GELB oder höher) die aus sich heraus (!) zuerst an Mediation denken würden, wenn sie in einem Konflikt stecken!
Diese Zielgruppe wird also typischerweise in den Flyern und anderen Marketingmaßnahmen angesprochen, in denen MediatorInnen ihre Dienste anpreisen. Der größte Teil der Werbemaßnahmen im Bereich Mediation geht also an der Mehrheit der Menschen schlicht vorbei, weil die Vorteile der Mediation in deren Weltbild (BLAU oder ORANGE) gar nicht vorkommen. Diese Mehrheit mag sich im besten Falle im Konflikt daran erinnern, dass es "da doch noch so was Psychologisches gab, wie man Konflikte auch lösen kann", aber sie entscheidet sich dann eben doch für die "sichere Seite" - ihren Anwalt.
Was also tun, wenn man von den Möglichkeiten der Mediation begeistert ist - und damit aber auf einem Markt bestehen muss, der relativ "eng" ist?
Hier ein paar Ideen dazu aus meiner 10-jährigen Praxis:
Die Tatsache, dass Mediation eine recht hohe Entwicklungsstufe bei der Konfliktklärung darstellt, heißt ja nicht, dass sie den anderen Stufen nichts anzubieten hätten - ganz im Gegenteil: Hier liegt aus meiner Sicht das große Potential für ganzheitlich ausgebildete MediatorInnen.
Ken Wilber beschreibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Strategien, mit den Gegebenheiten umzugehen. Zum einen kann man Menschen dabei unterstützen, auf ihrer jeweiligen Stufe "gesund" zu werden bzw. zu bleiben (translativer Ansatz).
Oder Sie entscheiden sich, die Menschen auf der jeweiligen Ebene "abzuholen", und ihnen dann zu einer "weiteren Sichtweise" zu verhelfen (transformativer Ansatz).
Und, by the way, mit beiden Ansätzen können Sie ihren Lebensunterhalt verdienen, keine Sorge ;o)
Translativer Ansatz
Mir gefällt der Satz des Psychologen Clare Graves: "Menschen haben, verdammt noch mal, das Recht so zu bleiben wie sie sind." Ein translativer Ansatz respektiert Menschen, wie immer sie auch sind und möchte "nur" dafür sorgen, dass sie in diesem "So-Sein" gesund und glücklich sind.
In der Praxis könnte das heißen, dass Sie BLAUE Klienten nicht davon zu überzeugen suchen, dass Mediation "besser" sei (weil Sie das im übrigen auch gar nicht wissen können!). Sie würden eher eine unterstützende Begleitung anbieten, um entweder die Gerichtsverhandlung emotional vorzubereiten und/oder die Folgen eines Rechtsstreits zu verarbeiten.
Mit ORANGENEN Erfolgsmenschen werden Sie genau klären, was "Gewinnen" heißen soll, was die Kosten / Erträge eines bestimmten Konfliktausgangs sind etc. Vielleicht ergibt sich daraus dann eine Mediation, vielleicht aber auch eine Einzelberatung etc.
Der translative Ansatz umfasst also alle Arten der Unterstützung, der Menschen "läßt wie sie sind", und sie dabei unterstützt, sich auf dieser Stufe wohler, gesünder, glücklicher zu fühlen.
Transformativer Ansatz
Spiral Dynamics geht davon aus, dass im Menschen alle Entwicklungsebenen angelegt und ansprechbar sind. Daher besteht in der Mediation auch eine echte Chance, dass Menschen einen "kleinen Sprung" in ihrer ethischen Entwicklung machen, wenn sie erleben, dass Konflikte tatsächlich besser gelöst werden können als durch einen Gerichtsstreit.
Allerdings dürfen wir uns da nicht allzu großen Hoffnungen hingeben. Ken Wilber geht davon aus, dass jeder größere "Entwicklungssprung" beim Menschen mehrere Jahre benötigt (er spricht meist von 5 Jahren). Dennoch kann eine erfolgreiche Mediation ein absoluter "Augenöffner" sein für einen BLAUEN Gerechtigkeitsfundamentalisten oder einen ORANGENEN Siegertypen.
Im allgemeinen ist eine Mediation aber sicher eine zu kurze Intervention, um eine echte Transformation zu unterstützen. Für diesen Bereich bieten sich eher Angebote wie längere Einzelberatungen, Coaching oder Seminare (Jahresgruppen) an. Auf jeden Fall haben MediatorInnen hier vielen Menschen etwas sehr Wichtiges anzubieten. Denn meist spüren sowohl BLAU als auch ORANGE, dass es "mehr" geben muss, als "Recht zu bekommen" oder "zu gewinnen". Wenn wir diese Sehnsucht nähren und erfüllen, dann geben können wir ihnen wichtige Impulse geben auf ihrem Weg zu mehr Mitgefühl, Menschlichkeit und Ganzheit.
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Markus Sikor
am
19.1.07
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15.1.07
Bedürfnisse - Der Schlüssel zum Erfolg in der Mediation, Verhandlungen und „schwierigen“ Gesprächen
Bedürfnisse, nicht Werte, sind der Schlüssel, um schwierigste Konflikte zu lösen, festgefahrene Gespräche voranzubringen und um Versöhnung zwischen Tätern und Opfern erreichen.
Es gibt einige Verwirrung in der „Konfliktszene“, auch unter MediatorInnen, wenn es um die Unterscheidung von Bedürfnissen und Werten geht. Auf den ersten Blick scheint es einfach, Sicherheit ist ein Bedürfnis, Pünktlichkeit ein Wert. Soweit herrscht meist noch Einigkeit.
Aber wie sieht es mit Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Gleichberechtigung aus? Werte oder Bedürfnisse? Mir ist klar, dass eine „harte“ Unterscheidung von Bedürfnissen und Werten nicht zu 100% möglich ist – dafür ist u.a. unsere Sprache, mit der wir diese inneren Erfahrungen beschreiben zu dürftig.
Meine Praxis zeigt mir jedoch, dass sich Menschen trefflich und ausdauernd über Werte streiten, dafür kämpfen und zur Not auch schon mal dafür sterben wollen. D.h. der Austausch über Werte trennt Menschen eher, als das er sie verbindet – Werte verhindern häufig Konfliktlösungen, statt sie zu ermöglichen. Ich denke, dass MediatorInnen dringend einen Denkrahmen brauchen, der ihnen bei der Unterscheidung dieser Begriffe weiterhilft.
Wie also Werte von Bedürfnissen unterscheiden? Dafür zeigt sich, wieder mal, das „Vier-Quadranten-Modell“ von Ken Wilber als hilfreich. In diesem Modell entdeckt man, dass Bedürfnisse im Quadrant Links-Oben (LO) liegen. Sie sind eine Interpretation der Welt, die individuell / innerlich ist – darin kommt nichts „Äußeres“ vor, dass heißt kein Bezug auf sichtbares Verhalten (in der GFK auch „Strategien“ genannt).
Werte dagegen sind üblicherweise eine Interpretation der Welt die kollektiv / innerlich ist (Quadrant Links-Unten). Dass heißt, der wesentliche – und entscheidende – Unterschied zwischen Bedürfnissen und Werten liegt im Entstehungs- oder Entdeckungsprozess. Bedürfnisse entdecken und beschreiben wir im innerpersönlichen, Werte dagegen im interpersonellen Dialog.
Bedürfnisse bedürfen einer tiefen Inneschau und der Frage „Was brauche ich wirklich als Mensch?“ Werte bedürfen eines gesellschaftlichen, konsensorientierten Dialogs zwischen Menschen. Diesen Dialog führen Menschen auf Basis ihrer individuellen Bedürfnisse.
Welche Werte dabei entstehen, hängt, so die Theorie von Spiral Dynamics, stark von den äußeren Lebensumständen ab. So zeigen historische Forschungen, dass mit dem Aufkommen der Landwirtschaft (nach der Phase des Gartenbaus) viele Kulturen einen Übergang von eher „gleichberechtigen“, teilweise auch matriachalen zu eher patriachalen Wertesystemen gemacht haben.
Eine sehr vereinfachende „Gleichung“ könnte den Zusammenhang von Bedürfnissen und Werten so erklären:
Werte = Bedürfnisse „+“ Lebensumstände
Innerhalb eines kulturellen Wertesystems wird nun auch klar, warum sehr leicht eine Verwechslung von Bedürfnissen und Werten stattfindet. In meiner Kultur bspw. teilen sehr viele Menschen den Wert nach Gerechtigkeit, daher lässt sich darüber auch eine gewisse menschliche Verbindung erreichen. Allerdings ist dies eine meist recht oberflächliche und fragile Verbindung, denn schon bei der Definition was „noch gerecht“ ist, gehen die Interpretationen weit auseinander – eben weil Werte eine, wie ich es manchmal auch nenne, Einigung über gesellschaftlich Strategien sind, um Bedürfnisse zu erfüllen. Ein Arbeitsloser hat eine andere Definition von Gerechtigkeit als ein Topmanager – gleiche Bedürfnisse „+“ unterschiedliche Lebensumstände = unterschiedliche Werte (bzw. Definition des „gleichen Werts“).
Erst wenn wir es in der Mediation schaffen, die Menschen mit ihren innersten, individuellen Bedürfnissen in Kontakt verbinden, entsteht der „magische“ lösende Moment in der Konfliktklärung – alle kulturellen, gesellschaftlichen Schranken können einen Moment beiseite treten und dahinter taucht der „pure Mensch“ auf.
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Markus Sikor
am
15.1.07
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Labels: Bedürfnisse/Werte, Gewaltfreie Kommunikation, Integrales Denken, Mediation
3.1.07
Marshall Rosenberg bei "Sounds True"
"Sounds True" ist eine interessante Firma, die u.a. Audio- und Videoaufnahmen von im weitesten Sinne spirituellen LehrerInnen verbreitet (leider nur auf Englisch).
So ist auch Marshall Rosenberg (Center for Nonviolent Communication)bei Sounds True zu finden: http://store.soundstrue.com/rosenbergm.html
Tami Simon, Gründerin von Sounds True hat, wie sie in einem Interview mit Ken Wilber erzählt, mit ihrer Firma den Versuch gewagt, die persönliche Vision einer Firma umzusetzen, in der sie sich selber auch als Angestellte wohlfühlen würde.
Sie hat sich dabei an einem integralen Ansatz (Vier Quadranten, Wilber) orienteriert, der sowohl individuelle, soziale, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigt.
Die kompletten Interviews mit Tami Simon können im Integral Institute gegen eine kleine Monatsgebühr betrachtet werden.
Ein paar Videos des Integral Institute gibt es kostenlos bei YouTube, u.a. auch eines der Interviews mit Tami Simon, das sehenswert ist, "Mixing Business and Pleasure".
Sounds True ist damit ein schönes Beispiel, wie menschliches und erfolgreiches Wirtschaften auch heute möglich ist.
In diesem Sinne wünschen wir allen ein gutes Jahr 2007!
Marianne und Markus Sikor
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Markus Sikor
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3.1.07
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Labels: Gewaltfreie Kommunikation, Integrales Denken, Marshall Rosenberg, Sozialer Wandel