Institut Sikor Blog ist umgezogen!

Sie sollten in 5 Sekunden automatisch umgeleitet werden. Falls nicht, klicken Sie bitte hier
http://www.institut-sikor.de/blog/
und erneuern Sie Ihre Lesezeichen - Danke!

Posts mit dem Label Gewaltfreie Kommunikation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gewaltfreie Kommunikation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

12.1.08

Könnten Sie mal Gewalt definieren?

Dies fragte Oliver Heuler in seinem Kommentar auf den Beitrag "Integral trifft Gewaltfrei".

Das ist die Art von Fragen, die mich als Trainer im Seminar erst Mal ins Schwitzen bringen… Hier habe ich ja das Glück, ein bißchen nachdenken zu können bevor ich den Mund aufmache bzw. in die Tasten tippe. (Ich weiß, manche meinen, das würde auch im Seminar manchmal nicht schaden, aber das ist eine andere Geschichte…Smilie by Smilieomania).

Spaß beiseite, mein bestes Verständnis zu dieser Frage ist Folgendes:

Die Vision des Centers for Nonviolent Communication (Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation, USA) und damit eine Art Definition von "Gewalt-frei" lautetS "A world where everybodys needs are valued." ("Eine Welt, in der die Bedürfnisse aller zählen.")

(Anmerkung: Dies ist nicht der genaue Wortlaut auf der Homepage des CNVC - dort heißt es noch "a world where all people get their needs met peacefully..." Aus verschiedenen Gesprächen mit langjährigen CNVC-TrainerInnen und mit Marshall Rosenberg wird deutlich, dass sich die Definition in Richtung "everybodys needs are valued" entwickelt hat.)

Aus diesem Verständnis heraus hieße die Definition von Gewalt: "Gewalt(tätig) ist eine Intention/Absicht, die nicht die Bedürfnisse aller anerkennt/wertschätzt."

So oder ähnlich lautet auch die Definition, dich ich im Seminar anbiete. Sie stößt meist auf Zustimmung und scheint vielen TeilnehmerInnen erst mal intuitiv eingängig zu sein. Da ich aber gerne das Motto des genialen Films "American Beauty" >> Look closer << ("Schau genauer hin") auf mein Leben anwende, hier noch ein paar weiterführende Gedanken zum Thema "Was ist Gewalt?" Ich denke es ist wichtig, mindestens zwei Ebenen zu unterscheiden, wenn wir über "Gewalt" sprechen. Eine wichtige, aber nicht die einzige Perspektive ist die subjektive, innere Erfahrung von Gewalt, eine weitere eine subjektive Außensicht auf Gewalt.

Die subjektive innere Erfahrung von Gewalt

Viele Menschen in unseren Seminaren beschreiben Gewalterfahrungen und nur in wenigen Fällen geht es um physische Gewalt (körperlicher Übergriff), sondern meist handelt es sich um das Erleben von psychischer, emotionaler Gewalt. Das damit oft genannte Bedürfnis nach "emotionaler Sicherheit" würde ich gerne etwas genauer betrachten.

Im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation verwende ich "Sicherheit" als Ausdruck eines Bedürfnisses, wenn es um körperliche Sicherheit geht. Wenn eine existenzielle Gefahr droht (jemand mit dem Messer auf mich losgeht), bekomme ich Angst, diese Angst ist natürlich, spontan und drückt dieses Bedürfnis nach Sicherheit aus.

"Sicherheit" ist nicht gleich "Sicherheit"

In 90% der Fälle, in denen "Sicherheit" als Bedürfnis genannt wird, geht es jedoch nicht um diese körperliche Sicherheit, sondern um Zugehörigkeit, Anerkennung etc. Wir unterscheiden in diesem Zusammenhang oft extrinsische und intrinsische Bedürfnisse. Sicherheit im Sinne körperlicher Sicherheit ist ein intrinsisches Bedürfnis, Sicherheit im Sinne psychischer, emotionaler Sicherheit ist extrinsisch.

Diese Unterscheidung beschreibt die Erkenntnis, das wir viele Bedürfnisse erst extrinsisch, d.h. von außen, von den Eltern etc. anerkannt und erfüllt bekommen müssen, bevor diese intrinsisch, also von "innen" heraus erfahren werden können.

Anders ausgedrückt: Menschen, die ein Bedürfnis ausdrücken und ihre Aufmerksamkeit dabei auf einem Verhalten haben, das geändert werden soll, verwechseln und vermischen Bedürfnisse mit Strategien. "Wenn mein Chef mir sagt, was ich falsch mache, habe ich Angst und brauche Sicherheit". Die "logische" Bitte, dass mein Chef also nicht mehr sagt, was er falsch findet, führt natürlich nicht zu der erhofften emotionalen Sicherheit. Dahin führt nur ein empathischer Umgang mit meiner inneren Stimme, die mich selbst dafür verurteilt, einen "Fehler" gemacht zu haben und ein echter Kontakt zu meinem Bedürfnis nach (Selbst-)Anerkennung.

Und natürlich gilt: Es ist nichts verkehrt daran, ein extrinsisches Bedürfnis nach "emotionaler Sicherheit" ausdrücken - es braucht vor allem Empathie und die Erfahrung von Zugehörigkeit, Anerkennung, um dieses Bedürfnis zu internalisieren.

Gewalt kann also innerlich, subjektiv erlebt werden, auch wenn die Intention des Gegenübers nicht gewalttätig ist. Wenn ich meinen Kindern nicht das gebe, was sie möchten, erleben sie dies sicherlich als gewalttätig (und weinen, werden wütend etc.), auch wenn meine Intention nicht gewalttätig war (was sie manchmal durchaus ist - nobody is perfect...)

Ich halte den Begriff "Emotionale Gewalt" für fragwürdig, besonders wenn er mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie körperliche Gewalt verwendet wird. In der Gewaltfreien Kommunikation verwenden wir aus diesem Grund das Bild der "Wolfsohren", die jemand aufgesetzt hat, wenn er/sie hinter den Worten anderer Kritik oder Angriffe hört.

Dies führt mich zu einer weiteren Ebene bei der Frage "Was ist Gewalt?", die das Thema aus der Außensicht betrachtet.

Die subjektive Außensicht auf Gewalt

Wenn wir menschliche Entwicklungsstufen betrachten und hier sehr vereinfacht mal die drei Stufen egozentrisch (Ich), soziozentrisch (Wir, Gruppe) und weltzentrisch (Wir alle) annehmen, dann scheint es mir sinnvoll, auch mindestens drei Formen von "Gewaltdefinition" zu unterscheiden.

Aus einer egozentrischen Sicht bedeutet Gewalt: "Wenn Du mein Bedürfnis nicht siehst - und erfüllst - bist Du gewalttätig!"

Aus einer soziozentrischen Perspektive interessieren vor allem meine und die Bedürfnisse der eigenen Gruppe, Familie, Stamm, Nation etc. "Es muss vor allem uns gutgehen!". Gewalt ist, wenn die Bedürfnisse meiner Gruppe nicht gesehen/erfüllt werden.

Erst auf einer weltzentrischen Ebene sind Menschen bereit, die Bedürfnisse aller Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Religion etc. als gleichwertig zu betrachten (die eigenen und die der eigenen Gruppe eingeschlossen). "Es soll allen Menschen gut gehen." Gewalt ist dann, wenn die Bedürfnisse aller Menschen nicht anerkannt werden.

(Und es gibt weitere Ebenen, z.B. eine "universale Perspektive", die die Bedürfnisse aller fühlenden Wesen mit einschließt, wie bspw. die buddhistische Haltung "Mögen alle Wesen glücklich sein".)

Die Definition des Centers for Nonviolent Communication setzt eine weltzentrische Sichtweise voraus bzw. postuliert diese. Das "Problem" mit diesen Ebenen und Perspektiven ist jedoch, dass wir sie nicht von "Innen" heraus wahrnehmen, sondern nur durch Interaktion mit und Rückmeldung von anderen Menschen ("von Aussen") erkennen können.

Von "Innen" gesehen, in meinem eigenen, subjektiven Erleben, habe ich die Gefühle, die ich habe, Punkt. Ich werde, wenn ich auf einer egozentrischen Ebene bin, niemals einen Gedanken haben der sagt "Oh, das ist jetzt ein egozentrisches Gefühl." Das gleiche gilt für das innere Erleben von Bedürfnissen.

Erst die Rückmeldung von Außen kann mir deutlich machen, ob und wie ich andere Bedürfnisse berücksichtigt habe- und dann stellt sich die Frage, ob ich diese Bedürfnisse überhaupt als solche wahrnehme (Babys können dies noch nicht), bzw. ob und wie ich in meine Handlungsentscheidungen einfließen lasse. Daran wird deutlich aus welcher Perspektive heraus ich handle.

D.h. ein Gefühl/Bedürfnis kann egozentrisch, soziozentrisch oder weltzentrisch fundiert sein. Jemand kann traurig sein, weil seine/ihre Bedürfnisse (egozentrische Sicht), die Bedürfnisse der Menschen in seiner Gruppe (soziozentrische Sicht) oder die Bedürfnisse aller Menschen (weltzentrische Sicht) nicht anerkannt werden.
"Gleiches" Gefühl - "gleiches" Bedürfnis - völlig unterschiedliche Weltsicht.

Meiner Erfahrung nach wird in der "Szene der Gewaltfreien Kommunikation" oft (fälschlich) angenommen, dass alle Menschen automatisch eine weltzentrische Perspektive hätten. Die Aussage "Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse" wird (miss-)interpretiert als "Alle Menschen sind sich bewusst, dass sie die gleichen Bedürfnisse haben und erkennen diese an".

Dies halte ich für weit gefehlt, wie Untersuchen zeigen (z.B. Spiral Dynamics ca. 60-70% der Weltbevölkerung haben eine ethno/soziozentrische Perspektive), aber auch der gesunde Menschenverstand legt dies nahe - eine durchgängig weltzentrische Perspektive würde Kriege zwischen verschiedenen Glaubensgruppen, Ethnien oder Nationen eher zur Ausnahme machen.

Oder andersherum gesagt: Wenn jeder eine weltzentrische Perspektive hätte, bräuchten wir keine Gewaltfreie Kommunikation mehr!

Diese "Außen-Sichtweise" auf Gewalt bietet mir auch eine haltbare Erklärung für die Behauptung der Gewaltfreien Kommunikation, dass es so etwas wie schützende Gewalt (im Gegensatz zu bestrafender Gewalt) gibt. Marshall nennt oft als Beispiel das Kind, dass auf die Straße vor ein Auto läuft und dass ich zurückziehe ohne vorher groß nach seinen Bedürfnissen zu fragen.

Wenn ich dem zustimme, ist doch die spannende Frage "Wer schützt hier wen vor was" und die Antwort lautet nach meinem Verständnis:
Jemand mit einer umfassenderen Perspektive übt Gewalt aus, d.h. übergeht die Bedürfnisse eines Menschen mit weniger umfassender Perspektive, um dessen und die Bedürfnisse anderer zu schützen.

Die Tatsache, dass die Frage "Was ist eine umfassendere Perspektive?" nicht immer einfach zu beantworten ist, sollte uns nicht von davon ablenken, dass wir ohne die Anerkennung einer gesunden Hierarchie von immer umfassenderen Perspektiven - egozentrisch - soziozentrisch - weltzentrisch in Probleme kommen. Z.B. gäbe es dann wenig Grund, gewalttätiges Handeln gegenüber Menschen für schlechter zu halten als gewaltfreies (das haben Sie, Herr Heuler, ja auch schon erwähnt).

Beide Sichtweisen die innere und äußere subjektive Sicht auf Gewalt halte ich für sehr wichtig - wenn wir eine von beiden vergessen oder verabsolutieren, führt dies auf die eine oder andere Art zu noch mehr Gewalt und Leiden.

Beantwortet das Ihre Frage, Herr Heuler?

Mit herzlichen Grüßen,

Markus Sikor

9.1.08

Aufbaumodul "Lebendig und Authentisch Trainieren und Beraten" Frühbucherrabatt bis 15. Januar

Wer noch mit Frühbucherrabatt in das Aufbaumodul "Lebendig und Authentisch Trainieren und Beraten" mit Gewaltfreier Kommunikation einsteigen möchte, kann dies noch bis 15. Januar tun.

Einen schönen Tag wünscht
Markus

8.1.08

Gewaltfreie Kommunikation Intensiv-Training "Radikale Ehrlichkeit - Tiefe Empathie" Anmeldeunterlagen online

Gewaltfreie Kommunikation Intensiv-Training "Radikale Ehrlichkeit - Tiefe Empathie" Anmeldeunterlagen online... mehr gibt´s da nicht zu sagen - also lassen wir´s dabei.

Die Unterlagen für dieses in seiner Art besondere "Training" finden sich hier zum Ansehen bzw. hier geht´s direkt zum PDF.

7.1.08

Moral des Altruismus - ein Kommentar von Oliver Heuler

Oliver Heuler , Papa eines "unerzogenen Anarchisten" hat meinen Beitrag "Integral trifft Gewaltfrei" kommentiert.

Da erfahrungsgemäß Kommentare im Blog etwas untergehen bzw. übersehen werden und ich diesen lesenswert finde, stelle ich ihn hier noch mal als extra Beitrag ein. Auf die Bitte von Herrn Heuler möchte ich in einem der nächsten Beiträge eingehen - denn "Was ist eigentlich Gewalt?" ist ja für uns "Gewaltfreie Kommunikatoren" eine nicht ganz unwichtige Frage, oder?

Hier also der Beitrag von Oliver Heuler:

"Ich finde es interessant, dass Rosenberg einerseits so nachdrücklich gegen das Wort »sollte« argumentiert wie auch gegen die Dichotomien gut - schlecht, richtig - falsch, krank - gesund und so weiter — und sich andererseits bewusst ist, dass die Haltung des Nicht-Bewertens selbstwidersprüchlich ist.

Das Wort »sollte« und die Dichotomien sind doch einfach nur Signalwörter, die zeigen, dass man über eine Moral spricht. Klar, wenn ich eine Bitte an einen anderen habe, dann ist es nicht hilfreich, ihm vorab eine Kritik zu servieren (»Dein Verhalten war falsch, schlecht und böse«), sondern mit einer möglichst objektiven Beobachtung zu beginnen.

Aber wir können nicht auf eine Moral und damit Hierarchien verzichten: Gewaltfrei kommunizieren ist z.B. besser als morden. Man unterhält sich ja auch bisweilen über allgemeine Prinzipien. Ich habe also keine Bitte an einen Menschen, sondern unterhalte mich nur über allgemeine Fragen der Ethik. Was spricht gegen die Aussage: »Man sollte einfühlsam sein« oder »Man soll nicht stehlen, morden und so weiter« oder »Ich finde es gut, wenn die Menschen gegen den Krieg demonstrieren.« Ist das so viel anders als »Wenn ich sehe, wie diese Menschen gegen den Krieg demonstrieren, macht mich das glücklich, weil mein Bedürfnis nach Frieden und Harmonie befriedigt ist«?

Könnte es sein, dass Rosenberg einfach nur gegen die christliche Ethik allergisch ist, weil die Moral des Altruismus eben gerade nicht dazu führt, dass die Menschen Konflikte schnell lösen können und glücklich werden, sondern diese Moral eher ein Dominanz-Instrument ist? Warum die Moral des Altruismus so problematisch ist, habe ich hier länger ausgeführt: http://www.heuler.de/freiwillig

Hinzu kommt, dass uns diese Moral meist mit der Schuld- und Schamkeule eingeimpft wird, was Rosenberg auch zurecht ablehnt.
Könnte es also sein, dass er das Kind (Ethik) mit dem Badewasser (Altruismus und die Art der Indoktrinierung dieser Moral) ausgeschüttet hat?
Warum nicht einfach die Ethik umdefinieren, sodass sie das Wohlbefinden unter den Menschen steigert und gewaltfrei ist, z.B.: Die Freiheit eines jeden hat als logische Grenzen die Freiheit der anderen. Man müsste Freiheit dann noch genauer definieren, z.B. als Abwesenheit von Gewalt und Zwang. Was wiederum erfordert, dass wir Gewalt genauer definieren.* Aber diese Definitionen wären ja zu finden.
Diese neue Ethik könnte dann auch anders vermittelt werden, eben auch gewaltfrei und ohne Zwang.

Was spräche dann dagegen, diese Dichotomien und das Wort »sollte« wieder zuzulassen?

Gruß Oliver Heuler
Das wäre meine Bitte an Sie, Herr Sikor: Könnten Sie mal Gewalt definieren?"

5.1.08

Integral trifft Gewaltfrei...

Witzig - kaum schreibe ich einen Beitrag zum Thema "Lernstufen", da stolpere ich über den Blog von Steve McIntosh, Autor von "Integral Consciousness", der von seinem Zusammentreffen mit einem Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation berichtet.

Blog of Steve McIntosh, author of Integral Consciousness: The First Leg of My Book Tour. Er schreibt,
"At one New Age bookstore talk I received a comment that the philosophical idea of “the good” did not comport with the principles of “non-violent communication.” The questioner even quoted Rumi as inviting us to “meet in a place beyond good and evil.” My polite response was that the integral philosophy of evolution is chiefly concerned with the improvement of the human condition, and that it effectively transcends the “black and white” conceptions of good and evil characteristic of the traditional level. Nevertheless, I emphasized that the idea of “the good” is a very important concept that we need to hold onto, even as we recognize this value’s dialectical metamorphosis through the growth of the spiral of development."

[Übersetzung Markus: "Während eines Gesprächs in einem New-Age-Buchladen meinte jemand, dass sich die philosophische Idee des "Guten" nicht mit den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation" vertrage. Der/die Fragende hat auch noch Rumi zitiert, der uns einlade "sich an dem Ort jenseits von Gut und Böse zu treffen". Meine höfliche Antwort war, dass die integrale Philosophie der Evolution ernsthaft an der Verbesserung der menschlichen Bedingungen interessiert ist, und dass sie tatsächlich die "schwarz-weiß"-Konzepte von Gut und Böse transzendiert, die traditionelle Ebenen auszeichnen. Ich betonte, dass die Idee des "Guten" dennoch ein sehr wichtiges Konzept ist, dass wir festhalten sollten, auch wenn wir erkennen, wie sich die Werte dialektisch wandeln während des Wachstums auf der Entwicklungsspirale."]

Dazu ließe sich Vieles sagen, hier nur Folgendes: Die Gewaltfreie Kommunikation ist nicht, noch einmal, nicht wert- oder bewertungsfrei! Um unsere Bedürfnisse als erfüllt / unerfüllt zu bemerken müssen wir die Realität a) wahrnehmen und b) ein Urteil fällen, d.h. die Realität bewerten (ob sie unsere Bedürfnisse erfüllt / oder eben nicht).

D.h. selbst innerhalb der Methodik der Gewaltfreien Kommunikation ist eine Wertungsebene gegeben - und sie geht damit von dem Prinzip des "Guten" (gut für meine Bedürfnisse) aus, bleibt da aber nicht stehen, sondern geht darüber hinaus. Auch Marshall Rosenberg betont dies immer wieder (das letzte Mal, als ihn jemand gefragt hat, "ob man denn in der GFK weiter bewerte", meinte er nur lapidar "Das hoffe ich doch schwer - wie willst du sonst wissen, ob deine Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht?").

Darüber hinaus vertritt natürlich auch die Gewaltfreie Kommunikation an sich, als Gesamtkonzept, ein sehr deutliches Werturteil. Sie trifft unterscheidende (wertende) Aussagen darüber, welche Kommunikation "lebensdienlich", "gewaltfrei", "verbindend" etc. ist.

Ich finde die Gewaltfreie Kommunikation gut und ich kann dies dann mit meinen (damit erfüllten) Bedürfnissen begründen - was nichts daran ändert, dass ich auch damit eine Bewertung treffe. Wenn ich dies vermeiden wollte, würde ich zum Einen in heillose argumentative Schwierigkeiten kommen und, was schlimmer ist, einem geist- und sinnentleertem Relativismus frönen, der in letzter Konsequenz nichts gut oder schlecht findet und richtungslos im Wertevakuum umherirrt.

Ich denke die Schwierigkeit liegt für viele "Neulinge" darin, dass die Gewaltfreie Kommunikation Werte transformiert, d.h. sie schließt Wertedenken ein (!) und geht darüber hinaus. Wir verstehen Werte und Bewertungen als natürlichen und wichtigen Ausdruck des Lebens - und daher schätzen wir das "Wolfsdenken" (bewertendes Denken) und nutzen sie als Material und Ausgangspunkt für das menschliche Wachstum auf der endlosen Spirale des Mitgefühls und der Bewußtheit.

Aus Sicht einer integralen Entwicklungsperspektive ist die Gewaltfreie Kommunikation Ausdruck egalitärer, weltzentrischer, alle Menschen umfassenden Werte. "Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse" und "Wir suchen Wege, die die Bedürfnisse aller Menschen wertschätzen" sind nur zwei Varianten dieser weltzentrischen Aussagen.
Manche übersehen dabei jedoch, dass Menschen einen inneren Entwicklungsweg hinter sich haben - von egozentrisch (Ich bin wichtig), über soziozentrisch (meine Gruppe/Familie/Stamm/Land/Religion ist wichtig) -, bevor sie weltzentrische Werte aus sich heraus anerkennen und leben (!) möchten. Manche Erwachsene bleiben auch auf einer eher ego- oder soziozentrischen Ebene stehen, was völlig in Ordnung ist (jeder hat das Recht, auf der Ebene zu sein, wo er/sie ist) - solange er/sie diese Weltsicht nicht mit Gewalt anderen Menschen aufzwingen möchte...

Ich freue mich über Kommentare und Fragen - gerne auch gleich hier im Blog

© Markus Sikor

4.1.08

Lernstufen in der Gewaltfreien Kommunikation

Mit Lern- und Entwicklungsstufen tun sich viele Anhänger der Gewaltfreien Kommunikation als typische Vertreter "grüner", egalitärer Werte (Spiral Dynamics) im allgemeinen schwer. Die Einsicht, dass Menschen in Bezug auf bestimmte Fähigkeiten nicht "gleich" sind, ist zwar eigentlich banal (wer würde schon gerne seine Magen-Operation von einem KFZ-Meister durchführen lassen?), aber wenn es um kommunikative Fähigkeiten geht, scheint dies wieder in Vergessenheit zu geraten.

Die Betonung der Gleichheit aller Menschen auf der Ebene der Bedürfnisse (die ich teile), wird also so wohltuend und berührend erfahren, dass der Blick auf die Unterschiedlichkeit der Menschen als eine (zu) schmerzhafte "Trennung" erlebt und lieber vermieden wird.

Meiner Meinung nach hilft hier die Unterscheidung von "Verhalten" und "Sein". Auf Seins-Ebene sind wir Menschen alle gleich, gleich wertvoll, gleich schön, alle göttliche Verkörperungen des "Einen Geists".
Auf Verhaltensebene sind wir unterschiedlich und manchmal sogar einzigartig. Hier kommt die Individualität jedes einzelnen ans Licht der Welt. Ein kompetenter Mediziner kann Leben retten - aber kein Auto reparieren.

Auf Verhaltensebene gibt es eine natürliche Abfolge im Lernen, die man mit oft mit den Ebenen präkonventionell, konventionell, postkonventionell bezeichnet (s. auch hier). Wenn jemand, um bei dem Beispiel aus der Medizin zu bleiben, an meinem Magen herumschnipselt, wäre mir sehr recht, er wäre gut ausgebildet und würde die Regeln kennen (konventionelle Stufe), ja besser noch, diese völlig integriert (nicht übersprungen!) haben und dann seiner Intuition vertrauend arbeiten (postkonventionell).

Lern- und Entwicklungsstufen lassen sich nicht überspringen - weder in der menschlichen Sprachentwicklung (erst Laute, dann Wörter, dann Sätze) noch in der Fähigkeit die "Gewaltfreie Kommunikation" ("Giraffensprache") in sein Leben zu integrieren. Marshall Rosenberg beschreibt daher in seinen Seminaren oft die Stadien "Wolf", "Baby-Giraffe" und "Giraffe".

Die psychologische Forschung zeigt, dass alle menschlichen Entwicklungslinien (Kognition, Moral, Selbstwahrnehmung, Bedürfnisse etc.) ähnliche Wachstumsstrukturen aufweisen.
So verläuft bspw. die moralische Entwicklung des Menschen von "Ich" (egozentrisch, Kleinkinder), über "Wir" (ethno- oder soziozentrisch, Jugendliche / Erwachsene) zu "Wir alle" (weltzentrisch, manche Erwachsene).

Hier ein paar Beispiele für Entwicklungsstufen aus der psychologischen Forschung, die weithin anerkannt sind:
Jean Piagets Entwicklungsstufen
Kohlbergs Stufen der moralischen Entwicklung
Carol Gilligans Stufen der moralischen Entwicklung
Robert Keagans Stufen der Selbstentwicklung (engl.)
Wertestufen nach Clare W. Graves (Spiral Dynamics)
Bedürfnisstufen nach Abraham Maslow

Wer sich wundert, dass er/sie immer wieder "zum Wolf wird" (d.h. völlig in die Abwertung des Gegenübers zurückfällt) kann sich selbst, natürlich liebevoll, daran erinnern, dass es in der Gewaltfreien Kommunikation mindestens drei Lernstufen gibt:

1. Basis-Kenntnisse
Verständnis der ersten vier Schlüsselunterscheidungen (Beobachtung - Bewertung, Gefühl - Gedanke etc.), Ziel der Gewaltfreien Kommunikation u.a.

2. Fähigkeiten
Selbst-Empathie, Identifizierung - Differenzierung von Gefühlen/Gedanken, Empathie in andere u.a.

3. Fähigkeiten-Set
Verständnis herstellen und Verstanden werden, Schleife der Kommunikation - "Tanz von Ehrlichkeit und Empathie" ("Giraffentanz") u.a., Transformation von Gefühlen

Darüber hinaus gibt es die komplexe Anwendung all dieser Fähigkeiten und Kenntnisse in speziellen Beratungssituationen, d.h. es gibt Multiple-Fähigkeiten-Sets wie Mediation, Coaching, Training etc.

So wie niemand erwartet, dass man in einer Fremdsprache sofort grammatisch korrekte Sätze spricht, so sollte niemand von sich (oder anderen) erhoffen, die typischen Lernstufen in der Gewaltfreien Kommunikation zu überspringen

Erst kommen die Schritte, dann der Tanz :o)

Markus Sikor

20.12.07

Hear The Needs - Höre die Bedürfnisse: Gewaltfreie Kommunikation an der Euclid Highschool, Ohio

Hier ein interessantes Video (Englisch) über den praktischen Einsatz und die Auswirkungen eines Workshops in Gewaltfreier Kommunikation an der Euclid Highschool, Ohio, USA. SchülerInnen, der Klassenlehrer und der Rektor der Schule berichten von ihren Erfahrungen nach einer Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation mit der CNVC-Trainerin Catherine Cadden - wirklich beeindruckend!

Die Schulberaterin der Euclid Highschool Kathleen McDonnell beschreibt den Workshop, "So viele LehrerInnen tragen oft viel Frust und Enttäuschung mit nach Hause. Eine Lehrerin hier, die Schwierigkeiten hatte mit ihren Schülern klar zu kommen, meinte, nach so vielen Seminaren war der Workshop in Gewaltfreier Kommunikation wie ein großer Schluck Wasser nach einer langen Zeit des Dursts. Es war der einzige, der ihr wieder etwas Hoffnung gegeben hat."

Der Rektor der Euclid Highschool kommt zu dem Schluss "Es funktioniert - sogar nach so kurzer Zeit... das wird eine Menge an Disziplinarproblemen lösen."



Google Video: Hear The Needs - Nonviolent Communication at Euclid HS

Markus Sikor
(Mein Dank an Kirsten Kristensen für den Hinweis auf das Video)

18.12.07

Familienfreizeit Gewaltfreie Kommunikation 2008

Eine Woche Gewaltfreie Kommunikation mit der Familie lernen und leben

17. - 23. August 2008 in der Jugendherberge Wunsiedel

Das Team:
Kirsten Kirstensen (Trainerin CNVC, www.kommunikationforlivet.dk)
Marianne Sikor (Trainerin CNVC, www.institut-sikor.de)
Georgis Heintz (www.lebendigekommunikation.de)
Biggi Dalchow
Simon Smaluhn

Fragen zur Organisation und zum Seminar bitte an:
Georgis Heintz, Tel. und Email s. Anmeldeunterlagen
Anmeldeunterlagen herunterladen (PDF)

Dieses Seminar wendet sich an alle, die einen gewaltfreien Umgang in der Familie und nahen Beziehungen praktizieren wollen. Familie ist dabei sehr viel mehr als der klassische Familienbegriff. Er reicht von der klassischen Vater-Muter-Kind- Familie, über Familien mit einem Elternteil, erwachsene Kinder mit ihren Eltern, Oma-Mutter-Enkel und so weiter. Vorkenntnisse in gewaltfreier Kommunikation sind nicht erforderlich. Gleichzeitig ist das Seminar auch geeignet für Menschen mit viel GFK-Erfahrung.

Für Eltern
Für Eltern bieten wir jeweils vormittags ein oder mehrere Seminarangebote zur Gewaltfreien Kommunikation an. Im Mittelpunkt stehen Themen rund um das Zusammenleben in der Familie bzw. um die Frage "Wie werden Familien zu Lebensbereicherungsgemeinschaften?". Dabei ist natürlich auch Platz für Paarthemen und andere Anliegen. Wir arbeiten prozessorientiert, das Angebot wird deshalb maßgeblich von den Wünschen der TeilnehmerInnen bestimmt. Am Nachmittag gibt es im Rahmen der Kapazitäten Möglichkeiten, eigene Anliegen zu vertiefen.

Die Familienfreizeit soll aber auch ausreichend Raum lassen zum Luft schöpfen und zu gemeinsamen Aktionen von Eltern und Kindern, zum Knüpfen von Kontakten, zum Klönen und Spazierengehen – und natürlich zum Feiern.

Für Kinder und Jugendliche
Es gibt vormittags ein Kinderprogramm mit Spielangeboten etc, das sich v. a. an die kleineren Kinder richtet. Erfahrungsgemäß organisieren sich die größeren Kinder am liebsten allein. Bei Interesse wird es auch eigene Angebote für die älteren Kinder geben. In Konfliktgeladenen Situationen bieten wir unsere Begleitung/ Unterstützung an. Die Jugendherberge Wunsiedel bietet viel Platz und Möglichkeiten drinnen und draußen. Sportplatz, Grill- und Lagerfeuerplatz sowie ein Waldlehrpfad in unmittelbarer Nähe gehören dazu.
Anmeldeunterlagen herunterladen (PDF)

25.10.07

Trägt Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft bei?

Ein Beitrag zum Blog-Karneval Mediation von Kirstin Nickelsen.

Als Mediator möchte ich, wie sicher viele meiner KollegInnen auch, etwas zu einer positiven Veränderung in dieser Welt beitragen. Daher beschäftigt mich seit vielen Jahren die Frage, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft beiträgt?

Im Laufe der Zeit und nach vielen positiven, aber auch einigen ernüchternden Erfahrungen hat sich meine Antwort auf diese Frage von einem begeisterten "Ja!" zu einem vorsichtigeren "Manchmal!" gewandelt. Etwas provokativer (und beunruhigender) könnte ich mich auch fragen: Wann macht meine Arbeit als Mediator eigentlich Sinn?

Sozialer Wandel: Vom Dominanz- zum Partnerschafts-Paradigma
Grundsätzlich, ohne hier ins Detail zu gehen, meine ich mit sozialem Wandel den Übergang von einem dominanzorientierten zu einem partnerschaftlichen Umgang -in Familien, Schulen, Organisationen, Unternehmen, in der Gesellschaft als Ganzes.

Dominanzsysteme zeichnen sich aus durch "Macht-über-Menschen", sie betonen Pflicht, motivieren mit Strafe und Belohnung, zeichnen sich durch Macht-Hierarchien, Status und Konformität aus; Partnerschaftssysteme dagegen sind durch "Macht-mit-Menschen" gekennzeichnet, sie betonen Kommunikation, funktionelle Hierarchien, motivieren durch intrinsische Motive, betonen Authentizität und Individualität. Bahnbrechend sind hier sind die Arbeiten von Riane Eisler, Alfie Kohn, David Korten, Marshall Rosenberg u.a. Diese kleine Übersicht zeigt, ohne annähernd vollständig zu sein, einige Unterschiede von partnerschaftlich versus dominanzorientierten Systemen.

Die Frage ist also, inwieweit Mediation zur Weiterentwicklung und Veränderung dominanzorientierter Strukturen beiträgt?

Translative und transformative Mediation
Der Philosoph Ken Wilber hat darauf aufmerksam gemacht, dass man bei der Frage nach Entwicklung und Veränderung von Strukturen einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Transformation und Translation machen muss.

Transformation meint den substantiellen Übergang von einer Entwicklungsstufe zur nächsten (also z.B. vom Dominanz- zum Partnerschaftsparadigma). Translation dagegen meint eine anpassende Veränderung auf der jeweiligen Entwicklungsstufe, um mit den Gegebenheiten besser zurecht zu kommen. Während Transformation eher herausfordert, in Frage stellt und zu Wachstum führt, beruhigt Translation, läßt die Beteiligten sich wieder besser fühlen und funktionieren.

Mediation kann zur Transformation beizutragen
Das Win-Win-Paradigma der Mediation kann durch den Machtausgleich zwischen den Konfliktbeteiligten durchaus zu einem wachsenden, partnerschaftlichem Bewußtsein beitragen. Die Mediation hebt die dominanzorientierte Machthierarchie zeitweise auf (nicht aber die funktionale, partnerschaftliche Hierarchie). Ein Vorgesetzter bleibt auch in einer Mediation funktional verantwortlich, gleichzeitig kann er sich in der Argumentation nicht auf Status, Privilegien oder Einschüchterung zurückziehen. Durch eine erfolgreiche Mediation können dominanzbetonte Führungskräfte erleben, dass Effektivität und Menschlichkeit kein Widerspruch sein muss.


Mediation in der Praxis wirkt meist translativ
Allerdings ist die Gefahr groß, dass Mediation in den meisten Fällen eher der Translation als der Transformation dient - dem besseren Funktionieren der Struktur bzw. Organisation ohne das grundlegenden Dominanz-Denken zu verändern. Konflikte werden gelöst, ohne die konfliktfördernden Ursachen zu benennen, geschweige denn zu beseitigen. Dies ist ungefähr so, um ein Bild zu nutzen, wie wenn man von der überkochenden Milch immer wieder den Schaum abschöpft, ohne jemals daran zu denken, die Heizplatte kleiner zu drehen.

Transformative Mediation hieße, Auftraggebern und Konfliktparteien (vor, nach und während einer Mediation) behutsam aber hartnäckig bewußt zu machen, dass sie in einem Dominanzsystem arbeiten und viele Konflikt systembedingte Symptome sind, die immer wieder auftreten werden, solange nicht die grundlegenden Entscheidungs- und Funktionsstrukturen angepasst werden.

Wann Transformation, wann Translation?
Es ist für Klienten eine frustrierende Erfahrung, dass auch nach einer erfolgreichen Mediation die gleichen Spannungen und Konfliktthemen wieder auftauchen. Ein typisches und häufiges Beispiel in Organisationen ist Mobbing, dass, wenn grundlegende Führungs- und Organisationsdefizite nicht beseitigt werden, auch nach einer erfolgreichen Mediation regelmäßig wieder auftreten wird. Dies ist ein typisches Sypmtome dafür, dass die Mediation nur translativ wirkte und die notwendige Transformation des Systems noch aussteht.

Translation hat ihre Berechtigung - ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich translative Mediation für überflüssig oder gar schlecht halte. Sie dient dem psychischen und seelischen Wohlbefinden der Beteiligten und ist daher absolut notwendig und hilfreich. Es ist jedoch genauso notwendig, dass Mediator- und KonflikttrainerInnen sich des grundsätzlichen Unterschieds zwischen transformativen und translativen Veränderungen bewußt sind, um ihren Klienten die angemessene Unterstützung anbieten zu können.

Sonst besteht die Gefahr, dass durch eine Mediation oder andere Beratungsansätze mit translativer Wirkung die ungesunden, konflikt- und gewaltfördernden Strukturen in Familien, Organisation und Unternehmen erhalten bleiben - zum Nachteil aller Beteiligten.

Markus Sikor

24.9.07

2 Plätze frei geworden - Aufbaumodul Mediation auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation

In unserem Aufbaumodul Mediation auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation sind kurzfristig zwei Plätze frei geworden. Für das Aufbaumodul sind Vorkenntnisse in Gewaltfreier Kommunikation erforderlich (mind. 15 Tage Seminar).

Dauer: 15 Tage
Beginn: 19.-21. Oktober 2007

Eine Anerkennung durch den Bundesverband Mediation ist möglich.

21.9.07

Internationales TrainerInnen Treffen Gewaltfreie Kommunikation 2008 in Estland

Merike Kahju (Estland) und Liv Larsson (Schweden), beide sehr engagierte CNVC-Trainerinnen, organisieren das erste weltweite Treffen von GFK-TrainerInnen in Estland.
Leider war die Planung recht kurzfristig, so dass wir da schon ein Seminar in unserem Kalender stehen haben - aber wir machen hier gerne Werbung dafür.

---------- Invitation NVC Trainers' Assembly 2008 --------

Dear all, me my friend and colleague Liv Larsson have reached to the point where we are happy to send out the invitation to NVC Trainers' Assembly 2008. Please forward this news to your local and regional etc NVC networks so we can come together, connect, grow, have fun and play!warmly in cooperation.
Date: April, 30th - May, vth 2008
Place: Spa Hotel Fra Mare in Haapsalu, near Talin (Estonian capital)
Price: sliding scale from 360 - 750 Euro
This includes one place in double room, three meals per day, tea breaks, free use of the swimming pools in the mornings, seminar rooms and organising costs.
Invitation PDF-Document
---------
Hilfreich für eine spaßvolle Teilnahme in diesem Kreis internationaler TrainerInnen sind natürlich halbwegs wasserdichte Englischkenntnisse. Daher hier noch schnell ein Tipp für zwei Lernprogramme, mit denen wir selbst unser Englisch auf Vordermann gebracht haben.
Assimill - arbeitet nach der höchst erfolgreichen Methode: Nix stur lernen, sondern in die Sprache eintauchen (assimillieren) (gerade für Anfänger und Mittelstufe sehr zu empfehlen).
Und die vielfach ausgezeichnete Sprachlernsoftware "Tell me more!", die es gerade sehr günstig bei Zweitausendeins im Angebot gibt!

17.9.07

„Krieger des Herzens“ in Bethlehem…

In dem von Hoffnungslosigkeit und Erschwernissen geprägten Leben im besetzten Palästina braucht es wahre „Krieger des Herzens“*. Menschen, die genug innere Stärke, unbeugbaren Optimismus und tiefes Vertrauen besitzen um auf dem schier aussichtslosen Weg des gewaltlosen Wandels voranzugehen. Zwei dieser "Krieger des Herzens" aus Bethlehem, Abid Al Fattah und Fuad Giacaman durften wir näher kennen lernen (auf dem Foto zusammen mit Isolde Teschner nach einem Workshop zur Gewaltfreien Kommunikation - daher die Wolfspuppen und -ohren):

Fuad Giacaman (rechts im Bild) ist Co-Gründer und Geschäftsführer des Arab Educational Institute (AEI). Seit 1986 bietet das AEI unter großen Schwierigkeiten und mit ebenso großem Engagement Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien ein breites Angebot an Kursen und Workshops - von Computer- und Englischkursen bis hin zu Diskussionsrunden zu Demokratie, Spiritualität und Glaube - sowie internationale Austausch- und Besuchsprogramme. Fuad spricht nicht nur gerne und oft über seine gewaltfreie Überzeugung („It´s not about peacemaking with our friends, it´s about peacemaking with our enemies“), er lebt diese Haltung täglich als mutmachendes Vorbild "seinen" Jugendlichen vor. So organisiert das AEI kreative und gewaltfreie Aktionen um auf die Situation der Palästinenser aufmerksam zu machen. Beispielsweise eine Mal-Aktion an der von Israel erbauten "Sicherheitsmauer" (Foto).

Abid Al Fattah (links) leitet das Al Rowwad Center, ein Bildungscenter für die Kinder und Jugend im „Aida-Camp“, ein Flüchtlingscamp in Bethlehem. In diesem Camp, dass wie ein viel zu eng gebautes Wohnviertel aussieht, leben 6000 Menschen teilweise seit 60 Jahren auf engstem Raum und mit völlig unzureichender Infrastruktur. Zwei Drittel der Bewohner sind unter 18 Jahren, es gibt weder Sport- noch Spielplätze, keinerlei Grünflächen oder Gärten von Ausbildungsplätzen und Jobs ganz abgesehen.

Abid ist im Aida-Camp geboren, in seinem Geburtshaus ist heute die Dunkelkammer für das Fotografie-Projekt des Al Rowwad Center untergebracht. An vielen Stellen im Camp sind die Einschläge von Geschossen der Scharfschützen und Raketen zu sehen, Überbleibsel der israelischen Niederschlagung der Initifada. Auf die Frage, was ihn motiviert hat das Center zu gründen, meinte er „We needed to do something for our children, so we knew we would start this center – with or without money.“ ("Wir mussten einfach etwas tun für unsere Kindern, so war klar, dass wir dieses Zentrum aufbauen würden - mit oder ohne Geld")

*"Krieger des Herzens" nannte der leider viel zu früh verstorbene Friedensaktivist Danaan Parry Menschen, die mutig und aktiv eine Haltung der Gewaltfreiheit, Ehrlichkeit und Lebendigkeit in die Welt bringen.

12.9.07

Gewaltfreie Kommunikation am Arab Educational Institute (AEI), Bethlehem, Palästina

Wir, d.h. Isolde Teschner, Dunja Müller, Friedrich Wiest und ich sind nun den sechsten Tag hier in Bethlehem. Die Zusammenarbeit mit dem AEI hat wunderbar angefangen - wir sind mit offenen Armen und Herzen empfangen wurden und die Gewaltfreie Kommunikation wird mit großer Wissbegierde und Dankbarkeit aufgenommen.


Ich fühle mich heute auch ziemlich angestrengt und erschöpft. Die ungewohnte Umgebung und auch der Kontakt mit Menschen, deren Sprache ich nicht verstehe (in meiner palästinensischen Gastfamilie sprechen nicht alle gut Englisch) und eine für mich oft missverständliche Körpersprache verunsichern mich immer wieder. Auch wirken die Menschen auf den Straßen auf mich erst mal „abweisend“ – ein Eindruck, der zwar meist vergeht, sobald ich jemand anspreche und Kontakt aufnehme, der aber doch stetig präsent ist.

Bethlehem wirkt lebendig aber auch etwas verlassen auf mich. Man sieht sehr viele geschlossene Geschäfte rund um die Geburtskirche. Der Tourismus, die Haupteinnahmequelle der Menschen in Bethlehem, ist nach dem Bau der Mauer zwischen Israel und Palästina von 15 Millionen auf 1 Million Besucher im Jahr zurückgegangen.

Der erste Tag unseres Aufenthalts ist geprägt von Gesprächen mit den Verantwortlichen im AEI über ihre Organisation, ihre Pläne, über die zu planenden Workshops zur Gewaltfreien Kommunikation - viel gutem Essen, Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben. Die hervorragende Planung und Organisation von Fuad Giacaman (im Foto ganz hinten am Tisch) und seinen Mitarbeitern ist eine große Unterstützung und so kommen wir in Kontakt mit den unterschiedlichsten Gruppen aus dem Arbeitsbereich des AEI.

Die Probleme hier sind vielfältig und natürlich immer wieder auch Thema in den Gruppen mit denen wir arbeiten. Die Einwohner Bethlehems sind, wenn die Mauer von israelischer Seite aus weitergebaut wird, von drei Seiten von einem 8-10 Meter hohen Wall umgeben sind und auf der vierten, „offenen“ Seite beginnt die Wüste. Die Erlaubnis nach Israel zu fahren erhalten die meisten nicht oder nur wenige Male im Jahr – die christlichen Palästinenser dürfen z.B. zu den hohen Feiertagen die Checkpoints nach Jerusalem passieren. Den Satz „Wir fühlen uns eingesperrt und behandelt als wären wir Tiere“ habe ich bereits mehrmals gehört.


So verwundert es nicht, dass ein Mitarbeiter des AEI meinte, „Viele Menschen hier sind einfach zutiefst hoffnungslos, müde und energielos. Sie sehen keinerlei Perspektive. Es ist eigentlich ein Wunder, dass es nicht noch mehr Unruhen gibt.“Es kostet schon mich sehr viel Energie, mich mit dem Ausmaß an Hoffnungslosigkeit der Menschen hier zu verbinden ohne mich davon überwältigen zu lassen. Dabei habe ich noch die Aussicht, nach wenigen Tagen dank eines kleinen roten Buchs mit ein paar grünen Seiten (mein Reisepass) wieder ausreisen zu können.

Angesichts der scheinbar hoffnungslosen Situation zweifle ich manchmal schmerzhaft an der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit - und vor allem an der Intelligenz und dem Mitgefühl der Menschheit. Ich teile diese Trauer eines Morgens auch in einer Anfangsrunde mit den Mitarbeitern des AEI – was eine bewegende und persönliche Runde einleitet zu der Frage, wie wir Hoffnung aufrecht erhalten können, auf welchen Ebenen ein grundlegender Wandel notwendig ist etc.

Nach den ersten Workshops sowohl mit Mitarbeitern des AEI, mit Jugend- und Studentengruppen und mit Frauen im nahen Flüchtlingscamp schöpfe ich jedoch wieder Hoffnung. Das AEI macht eine hervorragende Bildungs- und Jugendarbeit hier und auch wir vier TrainerInnen können, finde ich, wirklich stolz und zufrieden mit uns sein. Auch wenn die Seminareinheiten sehr kurz sind, meist nur 1-2 Stunden mit einer Gruppe, so schaffen wir es doch das Wesentliche rüberzubringen und vor allem auch in Kontakt mit den Menschen und ihren Themen zu kommen. Viele Teilnehmer geben das Feedback, dass sie gerne mehr von der Gewaltfreien Kommunikation hören, lernen und üben möchten.


„I leave peaceprints“ (grob übersetzt “Ich hinterlasse eine Spur des Friedens”) – diesen Autoaufkleber habe ich eines Morgens auf meinem Weg zum AEI entdeckt – und ich finde er passt zu unserer Arbeit hier. „Fußspuren“ (Footprints) an einem Strand sind eine Weile sichtbar und werden dann von denn nächsten Wellen weggespült. Auch wenn unsere Spur des Friedens sehr wahrscheinlich bei der nächsten Konflikteskalation hier von einer Welle der Gewalt wieder verwischt oder ausgelöscht wird – es befriedigt mich zutiefst, es wenigstens versucht zu haben, ein paar neue „peaceprints“ hier in Bethlehem zu hinterlassen.

Bethlehem, 12.9.2007
Markus Sikor

8.9.07

Auf dem Flug nach Tel Aviv...


Im Flugzeug nach Tel Aviv sitze ich neben einem gesprächigen Ehepaar aus Israel. Er, Elia, ist Lehrer und, wie er gleich hinufügt, christlicher Araber.
Er fragt mich nach woher und wohin und so kommen wir ins Gespräch. Ich zeige auf seine Zeitung, und frage, was diese Grafik mit den Soldaten und Panzern (s.l.) bedeutet.

Er sagte, das Bild vergleiche die Truppenstärken, Panzer, Raketenstärke etc. von Syrien und Israel. "Das ist doch verrückt!", meint Elia, "wir wollen doch alle Frieden leben, oder, und was macht unsere Regierung? Nur weil irgendein großes Ego in der Regierung etwas beweisen will". "Wissen Sie", sagt Elia "ich bin Araber und Christ und Lehrer in einer Schule für muslimische Kinder. Im Arabischen sagt man, Gott habe 99 Namen - und der bekannteste ist "Salam" - er schreibt den Begriff auf meine Visitenkarte - und das heißt "Frieden". Und Elia schließt zweifelnd "Soll dieser Angriff uns Frieden bringen?"

6.9.07

Gewaltfreie Kommunikation - Friedensarbeit aktuell

Kurz vor dem Abflug nach Palästina, kann meine Finger einfach nicht vom Rechner lassen...

Aber diese Nachrichten über die aktuelle Friedensarbeit aus dem Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation wollte ich einfach noch bekannt(er) machen:

Jugendliche aus Israel und Palästina lernen in Berlin u.a. auch die Gewaltfreie Kommunikation kennen - zu lesen in der taz, die tageszeitung

Und hier ein Bericht über die Arbeit meiner guten Freundin Jeyanthy Siva aus Sri Lanka, die derzeit in Niederlanden weilt und dort interviewt wurde von der Zeitung Expatica.

5.9.07

...unterwegs nach Palästina (Projekt Gewaltfreie Kommunikation mit AEI)

Ab Freitag bin ich, Markus, für 10 Tage in Palästina, um dort zusammen mit meinen KollegInnen Isolde Teschner, Dunja Müller und Friedrich Wiest ein Projekt für Gewaltfreie Kommunikation in Zusammenarbeit dem AEI zu starten.

Wir werden dort zusammen mit Fuad Giacaman (dem Gründer des AEI) und seinem engen Mitarbeiter Fuad van Teffelen daran arbeiten, wie das AEI die Gewaltfreie Kommunikation in ihrer Friedensarbeit einsetzen und nutzen können.

In Betlehem, wo das AEI beheimatet ist, werden wir die nächsten Tage zusammen mit den MitarbeiterInnen des AEI unterwegs sein. Ein weiterer Programmpunkt ist ein Treffen im Friedensdorf Neve Shalom.

Der nächste Post in diesem Blog wird daher höchstwahrscheinlich aus dem Cafe des International Center Bethlehem kommen - dort soll nämlich das nächste verfügbare WLAN in Betlehem sein.

Bis dahin...

Markus Sikor

"Das war nicht gewaltfrei!" - Prä-/Trans-Verwechslung in der Gewaltfreien Kommunikation

Diese Situation kennt bestimmt jeder, der schon mal Seminare in Gewaltfreier Kommunikation besucht hat. Plötzlich reden alle etwas komisch, antworten kryptisch und sagen Dinge wie "Das war aber jetzt nicht gewaltfrei!" (siehe z.B. dieser Blogeintrag eines anscheinend leicht "GFK-Geschädigten" ).

Vielen Neulingen in der Gewaltfreien Kommunikation (und nicht nur diesen ;o) unterläuft in der ersten Begeisterung der Fehler, dass sie denken, sie hätten nun die "richtige", "lebensbereichernde", "gewaltfreie" Sprache gefunden - und dass man nun doch bitte nur noch in "Gefühlen und Bedürfnissen" sprechen möge, weil dadurch das Leben viel einfacher, schöner und harmonischer würde. (An dieser Stelle bekomme ich dann immer lang anhaltende Schreikrämpfe... ;o)

Scherz beiseite, was hier passiert ist die typische Prä-Trans-Verwechslung, wie sie Ken Wilber beschrieben hat (*). Kurz gesagt heißt das: Anhand der verwendeten Worte kann man nicht sagen, ob jemand im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation handelt und spricht - oder nicht.

Der Satz "Du bist doof!" kann perfekt gewaltfrei sein, der Satz "Ich bin erschöpft und brauche Unterstützung - magst Du mir helfen?" kann die Kommunikationsbombe schlechthin sein.

Die einzige Unterscheidung ob gewaltfrei oder nicht, ist die Intention und Bewußtheit aus der heraus jemand spricht und handelt. Oder in Marshall Rosenbergs Worten "If you think other people are jackals then you are the jackal" ("Wenn Du denkst, andere Menschen sind wölfisch (d.h. "nicht gewaltfrei", ), dann bist selbst Du der Wolf").

Um Klarheit in diese Verwirrung zu bringen hilft die Prä-/Trans-Unterscheidung. Nach Ken Wilber vollzieht sich jede Entwicklung, jedes Lernen in drei Stufen:
Präkonventionell, konventionell, transkonventionell (auch postkonventionell genannt).

Am Beispiel der des Kochens (oder jeder anderen erlernten Fähigkeit) lässt sich dies leicht verdeutlichen. Bevor man die „Regeln der Kochkunst“ gelernt hat und die Zutaten und Gewürze kennt, sind die Intention und das Ergebnis des Kochens zufällig und ungeplant – man kocht präkonventionell.

Dann lernt man die Regeln, lernt die Ingredienzien und Zutaten kennen, hält sich an Rezepte. Das Ergebnis ist nun geplanter Ausdruck der Intention, allerdings durch die Regeln / Konventionen und Rezepte eingeschränkt – man kocht konventionell.

Wenn man die Regeln integriert hat, kann man sich frei entscheiden, diese zu beachten oder nicht. Man arbeitet situativ, intuitiv, frei – trans- oder postkonventionell.

Auf die Gewaltfreie Kommunikation bezogen:

Präkonventionelle Stufe = keine Bewußtheit über Intention = "Wölfisch"

Wir sprechen, wie wir es gewohnt sind (gelernt haben), ohne über die Intention und Folgen nachzudenken. Wir sind nicht bewusst, dass wir aus Bedürfnissen heraus sprechen und unser Handeln ein Versuch ist, unsere (unbekannten) Bedürfnisse zu erfüllen. Präkonventionelle Sprache, kann „hart“ oder „weich“ sein, angreifend oder nett, auf jeden Fall ist es unbewusst über die Intention und Struktur.
- Form und Struktur: unentwickelt, unbewusst
- Ausdruck der Intentionist: zufällig, wenn überhaupt<

Konventionelle Stufe = formelhafte Sprache ("4 Schritte") = technische "Giraffensprache"
Der bewusste Umgang mit der Sprache führt zu einer starken Anwendung von Regeln und einer (unbewussten) Tendenz der Bewertung, obwohl man doch "nicht bewerten wollte" (z.B. zu Aussagen wie „Das war nicht Giraffisch!“).
- Form und Struktur: Klare Regeln (4 Schritte), Übungsorientiert
- Ausdruck der Intention: Entwickelt sich, begrenzt durch Regeln und Übungen

Transkonventionelle Stufe = Bewußtheit der Intention der Gewaltfreien Kommunikation = freie, natürliche "Giraffensprache"
Die Regeln sind integriert und können frei nach Situation angewandt werden. Im Kontakt mit authentischen Gefühlen und Bedürfnissen kann man sich frei verhalten und unzensiert sprechen, oder auch nach den 4 Schritten, in freier, in bewusster Wahl.
- Form und Struktur: Frei, die Regeln zu benutzen oder nicht.
- Ausdruck der Intention: Bewusster, freier, unbegrenzter Ausdruck der
Intention.

Prä-/Trans-Verwechslung
Da sowohl "präkonventionell" und "transkonventionell" beide "nicht-konventionell" sind - die eine Stufe hat noch keine Struktur und Reglen für die Formulierung der eigenen Bedürfnisse, die andere ist über Struktur und Regeln hinaus - werden sie leicht verwechselt. Das Problem ist, dass beide Stufen die gleichen Worte und Begriffe verwenden - aber aus völlig unterschiedlicher Intention und Bewußtheit heraus.

Die Intention wird jedoch nicht durch bestimmte Worte und Begriffe deutlich, sondern durch den Gesprächsprozess. Jemand der die Intention verfolgt, durch ein Gespräch Lösungen für die Bedürfnisse aller Beteiligten zu finden (und dementsprechend im Gespräch bleibt) - der handelt "gewaltfrei" im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation, unabhängig davon welche Worte diese Person verwendet und ob sie sich "in Gefühlen und Bedürfnissen ausdrückt", oder nicht (was, by the way, sowieso ein Widerspruch in sich selbst ist, da Menschen immer ihre Gefühle ausdrücken).



* Die Anwendung dieser Entwicklungsstufen auf die Gewaltfreie Kommunikation erfolgte meines Wissens erstmals durch TrainerInnen des NVC-Training-Institute (USA). Mein Dank an Susan Skye, Towe Widstrand, Wes Taylor und Robert Gonzales!

3.8.07

Hörbuch "Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation", Marshall Rosenberg

Die Nr. 1 unserer Top 10 Liste "Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation" von Marshall Rosenberg gibt es jetzt auch als Hörbuch auf 4 CDs, ideal für die Autofahrt in den Urlaub oder lange Zugreisen.

28.7.07

Top 10 Bücher für Mediatoren, Konfliktberater und -TrainerInnen

Hier unsere Top-10 Bücherempfehlungen für Konflikttrainer und -beraterInnen - und solche die es werden möchten.


1. Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation, Marshall Rosenberg
Marshall Rosenberg zeigt wie kein anderer die tieferen Zusammenhänge hinter Konflikten und hat mit der Gewaltfreien Kommunikation ein Lösungsmodel geschaffen, dass an Tiefe, Einfachheit und Effektivität seines Gleichen sucht.

2. Klärungshilfe 2 - Konflikte im Beruf, Christoph Thomann In meinen Augen immer noch das absolute Highlight der Mediationsliteratur. Nirgends wird Mediation / Klärungshilfe so tiefgehend, praxisorientiert und fundiert erklärt.

3. The Third Side: Why we fight and how we can stop, William Ury
William Ury stellt Mediation in den weiteren Rahmen unter die Frage, wie die Menschheit mit Konflikten umzugehen gelernt hat bzw. noch nicht gelernt hat. Sehr inspirierend.

4. Klärungshilfe, Friedemann Schulz von Thun, Christoph Thomann
Zu diesem Buch braucht man eigentlich nichts zu sagen - es ist DER deutschsprachige Klassiker für alle Beratungsberufe, also auch für MediatorInnen. Und absolut empfehlenswert.

5. Focusing, Eugene Gendlin
Ich halte Focusing (am besten in Zusammenhang mit Gewaltfreier Kommunikation) für DIE Selbsterfahrungsmethode schlechthin - und daher für Konfliktarbeiter unverzichtbar.

6. Die 7 Wege zur Effektivität, Stephen Covey
Dieses Buch ist für mich immer noch DIE Referenz zum Thema Lebensplanung, Selbstorganisation und Arbeitsmanagement. Jetzt in neuer Auflage mit DVD.

7. Das Leuchtturm-Prinzip. Wie Sie die richtigen Kunden gewinnen, Stacey Hall, Jan Stringer
Marketing muss sein - aber wenn schon, dann eines das Spaß macht und zu Ihnen passt. Hier finden Sie einen Ansatz, der erfrischend neu ist und weit über die üblichen Ratgeber hinausgeht.

8. Leitfaden. Das Handbuch für freie beratende, lehrende und therapeutische Berufe in Deutschland, Thomas Bannenberg
Alles drin was man wissen muss, wenn man als Berater- oder MediatorIn den Weg in die Selbständigkeit starten möchte.

9. Eine kurze Geschichte des Kosmos, Ken Wilber
Ken Wilber gilt als der Einstein der Bewußtseinsforschung. Dieses Buch öffnet den Blick auf das "größere Ganze". Anspruchsvoll.

10. Die Welt verändern. Social Entrepreneurs und die Kraft neuer Ideen, David Bornstein
Wollen wir nicht alle die Welt zu einem besseren Ort machen? Dieses Buch bietet inspirierende Beispiele und macht Mut. Die Bettlektüre für alle Engagierten...


24.6.07

Lebensbereichernde Schulen schaffen - Seminar mit Marianne Göthlin / Schweden


Erstmals in Deutschland wird Marianne Göthlin, Lehrerin und zert. Trainerin für gewaltfreie Kommunikation aus Stockholm über ihre Erfahrungen an der vor neun Jahren gegründeten Skarpneck-Giraffenschule berichten.
Aus dem Ankündigungstext:

"Dieses Seminar wendet sich an PraktikerInnen in Schulen und Kindergärten mit einer soliden Grundlage in der Gewaltfreien Kommunikation (mindestens 8 Trainingstage). Wir wollen uns intensiv mit den Möglichkeiten befassen, wie wir wirklich lebensbereichernde Systeme schaffen können bzw. zu deren Entstehung beitragen können. Dabei geht es sowohl um die Gründung und Umgestaltung ganzer Einrichtungen als auch um die Schaffung von lebensbereichernden Inseln in bestehenden Einrichtungen. Das Seminar wendet sich deshalb sowohl an LehrerInnen, ErzieherInnen, SchulsozialarbeiterInnen als auch an GFK-begeisterte Menschen, die GFK von extern in die Einrichtungen bringen möchten. Dabei wird Marianne aus ihrer langjährigen Erfahrung aus einer der (wenigen) Schulen berichten, die wirklich auf den Grundlagen der GFK aufbaut."

Infos und Anmeldung auf der Seite von Gerhard Rothhaupt, Visionen und Wege