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12.1.08

Könnten Sie mal Gewalt definieren?

Dies fragte Oliver Heuler in seinem Kommentar auf den Beitrag "Integral trifft Gewaltfrei".

Das ist die Art von Fragen, die mich als Trainer im Seminar erst Mal ins Schwitzen bringen… Hier habe ich ja das Glück, ein bißchen nachdenken zu können bevor ich den Mund aufmache bzw. in die Tasten tippe. (Ich weiß, manche meinen, das würde auch im Seminar manchmal nicht schaden, aber das ist eine andere Geschichte…Smilie by Smilieomania).

Spaß beiseite, mein bestes Verständnis zu dieser Frage ist Folgendes:

Die Vision des Centers for Nonviolent Communication (Zentrum für Gewaltfreie Kommunikation, USA) und damit eine Art Definition von "Gewalt-frei" lautetS "A world where everybodys needs are valued." ("Eine Welt, in der die Bedürfnisse aller zählen.")

(Anmerkung: Dies ist nicht der genaue Wortlaut auf der Homepage des CNVC - dort heißt es noch "a world where all people get their needs met peacefully..." Aus verschiedenen Gesprächen mit langjährigen CNVC-TrainerInnen und mit Marshall Rosenberg wird deutlich, dass sich die Definition in Richtung "everybodys needs are valued" entwickelt hat.)

Aus diesem Verständnis heraus hieße die Definition von Gewalt: "Gewalt(tätig) ist eine Intention/Absicht, die nicht die Bedürfnisse aller anerkennt/wertschätzt."

So oder ähnlich lautet auch die Definition, dich ich im Seminar anbiete. Sie stößt meist auf Zustimmung und scheint vielen TeilnehmerInnen erst mal intuitiv eingängig zu sein. Da ich aber gerne das Motto des genialen Films "American Beauty" >> Look closer << ("Schau genauer hin") auf mein Leben anwende, hier noch ein paar weiterführende Gedanken zum Thema "Was ist Gewalt?" Ich denke es ist wichtig, mindestens zwei Ebenen zu unterscheiden, wenn wir über "Gewalt" sprechen. Eine wichtige, aber nicht die einzige Perspektive ist die subjektive, innere Erfahrung von Gewalt, eine weitere eine subjektive Außensicht auf Gewalt.

Die subjektive innere Erfahrung von Gewalt

Viele Menschen in unseren Seminaren beschreiben Gewalterfahrungen und nur in wenigen Fällen geht es um physische Gewalt (körperlicher Übergriff), sondern meist handelt es sich um das Erleben von psychischer, emotionaler Gewalt. Das damit oft genannte Bedürfnis nach "emotionaler Sicherheit" würde ich gerne etwas genauer betrachten.

Im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation verwende ich "Sicherheit" als Ausdruck eines Bedürfnisses, wenn es um körperliche Sicherheit geht. Wenn eine existenzielle Gefahr droht (jemand mit dem Messer auf mich losgeht), bekomme ich Angst, diese Angst ist natürlich, spontan und drückt dieses Bedürfnis nach Sicherheit aus.

"Sicherheit" ist nicht gleich "Sicherheit"

In 90% der Fälle, in denen "Sicherheit" als Bedürfnis genannt wird, geht es jedoch nicht um diese körperliche Sicherheit, sondern um Zugehörigkeit, Anerkennung etc. Wir unterscheiden in diesem Zusammenhang oft extrinsische und intrinsische Bedürfnisse. Sicherheit im Sinne körperlicher Sicherheit ist ein intrinsisches Bedürfnis, Sicherheit im Sinne psychischer, emotionaler Sicherheit ist extrinsisch.

Diese Unterscheidung beschreibt die Erkenntnis, das wir viele Bedürfnisse erst extrinsisch, d.h. von außen, von den Eltern etc. anerkannt und erfüllt bekommen müssen, bevor diese intrinsisch, also von "innen" heraus erfahren werden können.

Anders ausgedrückt: Menschen, die ein Bedürfnis ausdrücken und ihre Aufmerksamkeit dabei auf einem Verhalten haben, das geändert werden soll, verwechseln und vermischen Bedürfnisse mit Strategien. "Wenn mein Chef mir sagt, was ich falsch mache, habe ich Angst und brauche Sicherheit". Die "logische" Bitte, dass mein Chef also nicht mehr sagt, was er falsch findet, führt natürlich nicht zu der erhofften emotionalen Sicherheit. Dahin führt nur ein empathischer Umgang mit meiner inneren Stimme, die mich selbst dafür verurteilt, einen "Fehler" gemacht zu haben und ein echter Kontakt zu meinem Bedürfnis nach (Selbst-)Anerkennung.

Und natürlich gilt: Es ist nichts verkehrt daran, ein extrinsisches Bedürfnis nach "emotionaler Sicherheit" ausdrücken - es braucht vor allem Empathie und die Erfahrung von Zugehörigkeit, Anerkennung, um dieses Bedürfnis zu internalisieren.

Gewalt kann also innerlich, subjektiv erlebt werden, auch wenn die Intention des Gegenübers nicht gewalttätig ist. Wenn ich meinen Kindern nicht das gebe, was sie möchten, erleben sie dies sicherlich als gewalttätig (und weinen, werden wütend etc.), auch wenn meine Intention nicht gewalttätig war (was sie manchmal durchaus ist - nobody is perfect...)

Ich halte den Begriff "Emotionale Gewalt" für fragwürdig, besonders wenn er mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie körperliche Gewalt verwendet wird. In der Gewaltfreien Kommunikation verwenden wir aus diesem Grund das Bild der "Wolfsohren", die jemand aufgesetzt hat, wenn er/sie hinter den Worten anderer Kritik oder Angriffe hört.

Dies führt mich zu einer weiteren Ebene bei der Frage "Was ist Gewalt?", die das Thema aus der Außensicht betrachtet.

Die subjektive Außensicht auf Gewalt

Wenn wir menschliche Entwicklungsstufen betrachten und hier sehr vereinfacht mal die drei Stufen egozentrisch (Ich), soziozentrisch (Wir, Gruppe) und weltzentrisch (Wir alle) annehmen, dann scheint es mir sinnvoll, auch mindestens drei Formen von "Gewaltdefinition" zu unterscheiden.

Aus einer egozentrischen Sicht bedeutet Gewalt: "Wenn Du mein Bedürfnis nicht siehst - und erfüllst - bist Du gewalttätig!"

Aus einer soziozentrischen Perspektive interessieren vor allem meine und die Bedürfnisse der eigenen Gruppe, Familie, Stamm, Nation etc. "Es muss vor allem uns gutgehen!". Gewalt ist, wenn die Bedürfnisse meiner Gruppe nicht gesehen/erfüllt werden.

Erst auf einer weltzentrischen Ebene sind Menschen bereit, die Bedürfnisse aller Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Religion etc. als gleichwertig zu betrachten (die eigenen und die der eigenen Gruppe eingeschlossen). "Es soll allen Menschen gut gehen." Gewalt ist dann, wenn die Bedürfnisse aller Menschen nicht anerkannt werden.

(Und es gibt weitere Ebenen, z.B. eine "universale Perspektive", die die Bedürfnisse aller fühlenden Wesen mit einschließt, wie bspw. die buddhistische Haltung "Mögen alle Wesen glücklich sein".)

Die Definition des Centers for Nonviolent Communication setzt eine weltzentrische Sichtweise voraus bzw. postuliert diese. Das "Problem" mit diesen Ebenen und Perspektiven ist jedoch, dass wir sie nicht von "Innen" heraus wahrnehmen, sondern nur durch Interaktion mit und Rückmeldung von anderen Menschen ("von Aussen") erkennen können.

Von "Innen" gesehen, in meinem eigenen, subjektiven Erleben, habe ich die Gefühle, die ich habe, Punkt. Ich werde, wenn ich auf einer egozentrischen Ebene bin, niemals einen Gedanken haben der sagt "Oh, das ist jetzt ein egozentrisches Gefühl." Das gleiche gilt für das innere Erleben von Bedürfnissen.

Erst die Rückmeldung von Außen kann mir deutlich machen, ob und wie ich andere Bedürfnisse berücksichtigt habe- und dann stellt sich die Frage, ob ich diese Bedürfnisse überhaupt als solche wahrnehme (Babys können dies noch nicht), bzw. ob und wie ich in meine Handlungsentscheidungen einfließen lasse. Daran wird deutlich aus welcher Perspektive heraus ich handle.

D.h. ein Gefühl/Bedürfnis kann egozentrisch, soziozentrisch oder weltzentrisch fundiert sein. Jemand kann traurig sein, weil seine/ihre Bedürfnisse (egozentrische Sicht), die Bedürfnisse der Menschen in seiner Gruppe (soziozentrische Sicht) oder die Bedürfnisse aller Menschen (weltzentrische Sicht) nicht anerkannt werden.
"Gleiches" Gefühl - "gleiches" Bedürfnis - völlig unterschiedliche Weltsicht.

Meiner Erfahrung nach wird in der "Szene der Gewaltfreien Kommunikation" oft (fälschlich) angenommen, dass alle Menschen automatisch eine weltzentrische Perspektive hätten. Die Aussage "Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse" wird (miss-)interpretiert als "Alle Menschen sind sich bewusst, dass sie die gleichen Bedürfnisse haben und erkennen diese an".

Dies halte ich für weit gefehlt, wie Untersuchen zeigen (z.B. Spiral Dynamics ca. 60-70% der Weltbevölkerung haben eine ethno/soziozentrische Perspektive), aber auch der gesunde Menschenverstand legt dies nahe - eine durchgängig weltzentrische Perspektive würde Kriege zwischen verschiedenen Glaubensgruppen, Ethnien oder Nationen eher zur Ausnahme machen.

Oder andersherum gesagt: Wenn jeder eine weltzentrische Perspektive hätte, bräuchten wir keine Gewaltfreie Kommunikation mehr!

Diese "Außen-Sichtweise" auf Gewalt bietet mir auch eine haltbare Erklärung für die Behauptung der Gewaltfreien Kommunikation, dass es so etwas wie schützende Gewalt (im Gegensatz zu bestrafender Gewalt) gibt. Marshall nennt oft als Beispiel das Kind, dass auf die Straße vor ein Auto läuft und dass ich zurückziehe ohne vorher groß nach seinen Bedürfnissen zu fragen.

Wenn ich dem zustimme, ist doch die spannende Frage "Wer schützt hier wen vor was" und die Antwort lautet nach meinem Verständnis:
Jemand mit einer umfassenderen Perspektive übt Gewalt aus, d.h. übergeht die Bedürfnisse eines Menschen mit weniger umfassender Perspektive, um dessen und die Bedürfnisse anderer zu schützen.

Die Tatsache, dass die Frage "Was ist eine umfassendere Perspektive?" nicht immer einfach zu beantworten ist, sollte uns nicht von davon ablenken, dass wir ohne die Anerkennung einer gesunden Hierarchie von immer umfassenderen Perspektiven - egozentrisch - soziozentrisch - weltzentrisch in Probleme kommen. Z.B. gäbe es dann wenig Grund, gewalttätiges Handeln gegenüber Menschen für schlechter zu halten als gewaltfreies (das haben Sie, Herr Heuler, ja auch schon erwähnt).

Beide Sichtweisen die innere und äußere subjektive Sicht auf Gewalt halte ich für sehr wichtig - wenn wir eine von beiden vergessen oder verabsolutieren, führt dies auf die eine oder andere Art zu noch mehr Gewalt und Leiden.

Beantwortet das Ihre Frage, Herr Heuler?

Mit herzlichen Grüßen,

Markus Sikor

20.12.07

Hear The Needs - Höre die Bedürfnisse: Gewaltfreie Kommunikation an der Euclid Highschool, Ohio

Hier ein interessantes Video (Englisch) über den praktischen Einsatz und die Auswirkungen eines Workshops in Gewaltfreier Kommunikation an der Euclid Highschool, Ohio, USA. SchülerInnen, der Klassenlehrer und der Rektor der Schule berichten von ihren Erfahrungen nach einer Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation mit der CNVC-Trainerin Catherine Cadden - wirklich beeindruckend!

Die Schulberaterin der Euclid Highschool Kathleen McDonnell beschreibt den Workshop, "So viele LehrerInnen tragen oft viel Frust und Enttäuschung mit nach Hause. Eine Lehrerin hier, die Schwierigkeiten hatte mit ihren Schülern klar zu kommen, meinte, nach so vielen Seminaren war der Workshop in Gewaltfreier Kommunikation wie ein großer Schluck Wasser nach einer langen Zeit des Dursts. Es war der einzige, der ihr wieder etwas Hoffnung gegeben hat."

Der Rektor der Euclid Highschool kommt zu dem Schluss "Es funktioniert - sogar nach so kurzer Zeit... das wird eine Menge an Disziplinarproblemen lösen."



Google Video: Hear The Needs - Nonviolent Communication at Euclid HS

Markus Sikor
(Mein Dank an Kirsten Kristensen für den Hinweis auf das Video)

25.10.07

Trägt Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft bei?

Ein Beitrag zum Blog-Karneval Mediation von Kirstin Nickelsen.

Als Mediator möchte ich, wie sicher viele meiner KollegInnen auch, etwas zu einer positiven Veränderung in dieser Welt beitragen. Daher beschäftigt mich seit vielen Jahren die Frage, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß Mediation zum sozialen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft beiträgt?

Im Laufe der Zeit und nach vielen positiven, aber auch einigen ernüchternden Erfahrungen hat sich meine Antwort auf diese Frage von einem begeisterten "Ja!" zu einem vorsichtigeren "Manchmal!" gewandelt. Etwas provokativer (und beunruhigender) könnte ich mich auch fragen: Wann macht meine Arbeit als Mediator eigentlich Sinn?

Sozialer Wandel: Vom Dominanz- zum Partnerschafts-Paradigma
Grundsätzlich, ohne hier ins Detail zu gehen, meine ich mit sozialem Wandel den Übergang von einem dominanzorientierten zu einem partnerschaftlichen Umgang -in Familien, Schulen, Organisationen, Unternehmen, in der Gesellschaft als Ganzes.

Dominanzsysteme zeichnen sich aus durch "Macht-über-Menschen", sie betonen Pflicht, motivieren mit Strafe und Belohnung, zeichnen sich durch Macht-Hierarchien, Status und Konformität aus; Partnerschaftssysteme dagegen sind durch "Macht-mit-Menschen" gekennzeichnet, sie betonen Kommunikation, funktionelle Hierarchien, motivieren durch intrinsische Motive, betonen Authentizität und Individualität. Bahnbrechend sind hier sind die Arbeiten von Riane Eisler, Alfie Kohn, David Korten, Marshall Rosenberg u.a. Diese kleine Übersicht zeigt, ohne annähernd vollständig zu sein, einige Unterschiede von partnerschaftlich versus dominanzorientierten Systemen.

Die Frage ist also, inwieweit Mediation zur Weiterentwicklung und Veränderung dominanzorientierter Strukturen beiträgt?

Translative und transformative Mediation
Der Philosoph Ken Wilber hat darauf aufmerksam gemacht, dass man bei der Frage nach Entwicklung und Veränderung von Strukturen einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Transformation und Translation machen muss.

Transformation meint den substantiellen Übergang von einer Entwicklungsstufe zur nächsten (also z.B. vom Dominanz- zum Partnerschaftsparadigma). Translation dagegen meint eine anpassende Veränderung auf der jeweiligen Entwicklungsstufe, um mit den Gegebenheiten besser zurecht zu kommen. Während Transformation eher herausfordert, in Frage stellt und zu Wachstum führt, beruhigt Translation, läßt die Beteiligten sich wieder besser fühlen und funktionieren.

Mediation kann zur Transformation beizutragen
Das Win-Win-Paradigma der Mediation kann durch den Machtausgleich zwischen den Konfliktbeteiligten durchaus zu einem wachsenden, partnerschaftlichem Bewußtsein beitragen. Die Mediation hebt die dominanzorientierte Machthierarchie zeitweise auf (nicht aber die funktionale, partnerschaftliche Hierarchie). Ein Vorgesetzter bleibt auch in einer Mediation funktional verantwortlich, gleichzeitig kann er sich in der Argumentation nicht auf Status, Privilegien oder Einschüchterung zurückziehen. Durch eine erfolgreiche Mediation können dominanzbetonte Führungskräfte erleben, dass Effektivität und Menschlichkeit kein Widerspruch sein muss.


Mediation in der Praxis wirkt meist translativ
Allerdings ist die Gefahr groß, dass Mediation in den meisten Fällen eher der Translation als der Transformation dient - dem besseren Funktionieren der Struktur bzw. Organisation ohne das grundlegenden Dominanz-Denken zu verändern. Konflikte werden gelöst, ohne die konfliktfördernden Ursachen zu benennen, geschweige denn zu beseitigen. Dies ist ungefähr so, um ein Bild zu nutzen, wie wenn man von der überkochenden Milch immer wieder den Schaum abschöpft, ohne jemals daran zu denken, die Heizplatte kleiner zu drehen.

Transformative Mediation hieße, Auftraggebern und Konfliktparteien (vor, nach und während einer Mediation) behutsam aber hartnäckig bewußt zu machen, dass sie in einem Dominanzsystem arbeiten und viele Konflikt systembedingte Symptome sind, die immer wieder auftreten werden, solange nicht die grundlegenden Entscheidungs- und Funktionsstrukturen angepasst werden.

Wann Transformation, wann Translation?
Es ist für Klienten eine frustrierende Erfahrung, dass auch nach einer erfolgreichen Mediation die gleichen Spannungen und Konfliktthemen wieder auftauchen. Ein typisches und häufiges Beispiel in Organisationen ist Mobbing, dass, wenn grundlegende Führungs- und Organisationsdefizite nicht beseitigt werden, auch nach einer erfolgreichen Mediation regelmäßig wieder auftreten wird. Dies ist ein typisches Sypmtome dafür, dass die Mediation nur translativ wirkte und die notwendige Transformation des Systems noch aussteht.

Translation hat ihre Berechtigung - ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich translative Mediation für überflüssig oder gar schlecht halte. Sie dient dem psychischen und seelischen Wohlbefinden der Beteiligten und ist daher absolut notwendig und hilfreich. Es ist jedoch genauso notwendig, dass Mediator- und KonflikttrainerInnen sich des grundsätzlichen Unterschieds zwischen transformativen und translativen Veränderungen bewußt sind, um ihren Klienten die angemessene Unterstützung anbieten zu können.

Sonst besteht die Gefahr, dass durch eine Mediation oder andere Beratungsansätze mit translativer Wirkung die ungesunden, konflikt- und gewaltfördernden Strukturen in Familien, Organisation und Unternehmen erhalten bleiben - zum Nachteil aller Beteiligten.

Markus Sikor

27.9.07

Leben wir in gefährlichen Zeiten? Eine kurze Geschichte der Gewalt

Interessanter Vortrag von Steven Pinker, der behauptet, "Alles was Sie gemeinhin über Gewalt zu wissen meinen, ist falsch!". Seine These: Wir leben heute so sicher und gewaltarm wie noch nie in der Geschichte der Menschheit - was meint Ihr?


31.5.07

"Roots of Empathy" - Wurzeln der Empathie


Wie können wir Gewalt an Schulen (und anderswo) verringern? Viele Studien zeigen, dass Gewalt durch eine verminderte oder nicht vorhandene Empathiefähigkeit entsteht und gefördert wird.

"Roots of Empathy" ist ein erfolgreiches Programm um die Empathiefähigkeit von SchülerInnen zu fördern. 1996 von Mary Gordon initiiert, hat das Programm in Kanada über 150.000 Kinder erreicht und seine Wirksamkeit vielfach unter Beweis gestellt.

Das Prinzip ist so einfach wie genial. Eine Schulklasse erlebt, unterstützt von ausgebildeten TrainerInnen, das erste Lebensjahr eines Babys und die wachsende Bindung mit den Eltern. Auf diese Weise können die Kinder einen Teil ihrer eigenen emotionalen Entwicklung "nachholen" und kommen wieder in Kontakt mir ihrer natürlichen Empathiefähigkeit. Sie erleben wie verletzlich ein Mensch ist und, das zeigen alle Evaluierungen des Programms, diese empathische Verbindung verringert die Gewalttätigkeit an den teilnehmenden Schulen dramatisch.

Mary Gordon ist für dieses Programm von Ashoka als beispielhaftes Projekt für "Social Entrepreneurship" ausgezeichnet worden und "Roots of Empathy" wird vom kanadischen Erziehungsministierium offiziell unterstützt.